Nach der jüngsten militärischen Eskalation im Iran richtet sich der Blick auch auf die Lage deutscher Staatsangehöriger im Land. Für die Islamische Republik gilt bereits seit Herbst 2022 eine Reisewarnung mit ausdrücklicher Ausreiseaufforderung.
Aus dem Auswärtigen Amt war am Sonntag zu hören, dass in der Krisenvorsorgeliste „Elefand“ für den Iran derzeit eine „mittlere dreistellige Zahl“ deutscher Staatsangehöriger registriert ist. Zudem heißt es, dass die Deutsche Botschaft Teheran in Kontakt mit den deutschen Staatsangehörigen vor Ort steht. Für entsandte Mitarbeiter seien „Personalfürsorgemaßnahmen“ getroffen worden. Außerdem befinde man sich „in engem Kontakt mit den EU-Partnern vor Ort“.
Konkrete Angaben zu möglichen Evakuierungsmaßnahmen wurden zunächst nicht gemacht.
Registrierungszahlen nur bedingt aussagekräftig
Die Zahl der in der Krisenvorsorgeliste eingetragenen Deutschen gilt lediglich als Anhaltspunkt. Eine Meldepflicht für Deutsche im Ausland besteht nicht; erfasst werden nur diejenigen, die sich freiwillig in die Krisenvorsorgeliste „Elefand“ registrieren. Die tatsächliche Zahl deutscher Staatsangehöriger im Iran dürfte daher höher liegen.
Auch deutsch-iranische Doppelstaatsangehörige zählen rechtlich als deutsche Staatsbürger. In der Praxis kann ihre Lage jedoch komplizierter sein, da iranische Behörden eine weitere Staatsangehörigkeit häufig nicht anerkennen und Betroffene ausschließlich als Iraner behandeln.
Das deutsche Sprachinstitut in Teheran ist bereits 2024 geschlossen worden, nachdem iranische Behörden den Betrieb eingestellt hatten. Damit fehlt eine weitere deutsche Anlaufstelle im Land.
Evakuierungsszenarien offen
Sollte sich die Sicherheitslage weiter verschärfen, wären verschiedene Szenarien denkbar – von regulären Ausreisen über Drittstaaten bis hin zu koordinierten Maßnahmen mit europäischen Partnern. Ob und in welchem Umfang konkrete Planungen bereits vorbereitet werden, ist unklar.



