Es gibt Wahlen, die unter dem Radar bleiben. Parlamentswahlen in Kolumbien gehören gemeinhin dazu – zu weit weg, zu komplex, zu wenig Bezug zum deutschen Alltag. Doch was an diesem Sonntag in dem südamerikanischen Land geschah, verdient Aufmerksamkeit. Nicht nur wegen der Zahlen, nicht nur wegen der Gewalt, die den Wahltag überschattete. Sondern weil sich in Bogotá in seltener Deutlichkeit zeigte, was geschieht, wenn staatliche Institutionen aufhören, Regeln durchzusetzen – und stattdessen beginnen, sie gegeneinander einzusetzen.