Gastbeitrag

Gerhard Schröder: „Ich sorge mich um die Zukunft unseres Landes“

Der Altkanzler hält Deutschlands Geschäftsmodell für überholt. Er warnt vor Hochrüstung, kritisiert „Zensurnetzwerke“ und plädiert für Kooperationen mit Russland.

Bundeskanzler a.D. Schröder: „Ich sehe keine systematische Anstrengung, den heutigen Umbruch als Ganzes zu erfassen.“
Bundeskanzler a.D. Schröder: „Ich sehe keine systematische Anstrengung, den heutigen Umbruch als Ganzes zu erfassen.“Paulus Ponizak/Berliner Zeitung

Die letzte Bundestagswahl ist nun fast ein Jahr her. Zuvor war Bundespräsident Steinmeier dem Ersuchen von Bundeskanzler Scholz nachgekommen, Finanzminister Lindner, der die Interessen der FDP über die Interessen unseres Landes stellte, zu entlassen. Die Ampelkoalition zerbrach; Scholz, der Kanzler der Zeitenwende, verlor seine Mehrheit. Im Dezember 2021 hatten SPD, Grüne und FDP ein „Bündnis für Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit“ versprochen. Es sollte „mehr Fortschritt wagen“. Doch der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit wurde unübersehbar. Statt soziales Denken, ökologische Reformen und wirtschaftliche Stärke miteinander zu verbinden, zerfiel die Koalition in alltäglichen Streitereien. Sie hatte mehr mit sich zu tun, als gemeinsam für die sozial-ökologische Gestaltung der Transformation zu arbeiten. Die „Kunst der Zuspitzung“, wie Peter Glotz eine die Menschen begeisternde Strategie für Reformen genannt hätte, gab es nicht.

Berliner Zeitung

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