Social-Media-Verbot

Digitalminister Wildberger will Handy-Verbot für Kinder

Digitalminister Karsten Wildberger kann einem Social-Media-Verbot für Kinder „eine Menge abgewinnen“, sagt er. Doch ist das glaubwürdig?

Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitalisierung und Staatsmodernisierung
Karsten Wildberger, Bundesminister für Digitalisierung und StaatsmodernisierungKay Nietfeld/dpa

Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) zeigt sich offen für ein Social-Media-Verbot für Kinder. „Ich kann dem eine Menge abgewinnen. Ich halte die Frage nach einer Altersbeschränkung für mehr als berechtigt“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Die Aussage des Ministers wirft Fragen auf. Ist das ein Fall weihnachtlichen Besinnlichkeitstaumels? Ist Wildberger Australien-Fan? In Down Under dürfen seit dem 10. Dezember Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren keine eigenen Konten mehr auf vielen großen Social-Media-Plattformen besitzen. Oder handelt es sich um einen späten Fall von Selbstscham und schlechtem Gewissen?

Profiteur von Handy-Konsum von Kindern

Immerhin war Wildberger Vorstandsvorsitzender der Ceconomy AG, bevor er von Friedrich Merz zum ersten Bundesminister für Digitales und Staatsmodernisierung ins Bundeskabinett berufen wurde. Ceconomy ist die Muttergesellschaft von Saturn und Mediamarkt, und Wildberger war als Geschäftsführer für die europaweit rund 1.000 Filialen zuständig. Der 56-Jährige hat also auch davon persönlich profitiert, dass Handys und Co. längst zum Alltag in Kinderzimmern gehören.

In jedem Fall überrascht der Minister jetzt mit einem kritischen Blick auf die Auswirkungen des Wachstums der Branche. Aus Studien, Schilderungen und Beobachtungen wisse man, wie tiefgreifend soziale Medien in die Entwicklung junger Menschen eingriffen, sagt er in dem Interview. Außerdem verwies er auf eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission für „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“.

Das Gremium aus Wissenschaftlern und Praktikern etwa aus Medizin und Jugendschutz hatte im Herbst seine Arbeit aufgenommen und soll bis zum Sommer Empfehlungen erarbeiten. Dabei geht es unter anderem um mögliche Altersgrenzen und ein Handyverbot an Schulen – bisher gibt es dazu bundesweit einen uneinheitlichen Flickenteppich.

Flickenteppich bei Handy-Verbot an Schulen

In Brandenburg zum Beispiel müssen seit diesem Schuljahr an Grundschulen alle Handys und andere Digitalgeräte vor dem Unterricht ausgeschaltet und weggepackt werden. Der Berliner Senat bleibt dagegen bei seiner kritischen Haltung gegenüber einem pauschalen Handy-Verbot an Schulen. Es gilt das Prinzip der Eigenverantwortung, jede Schule kann eigenständig regeln, ob und in welchem Umfang Handys mitgeführt oder genutzt werden dürfen. So bleibt es in der Hauptstadt bei Verbots-Einzelfällen, etwa am Schadow-Gymnasium in Zehlendorf.