Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder sieht in den anhaltenden Problemen bei der Bahn und der schleppenden Sanierung zentraler Infrastruktur eine Gefahr für das Vertrauen in staatliche Handlungsfähigkeit. Es sei „brandgefährlich“, wenn sich bei Bürgern der Eindruck verfestige, der Staat bekomme grundlegende Aufgaben wie funktionierende Verkehrswege nicht mehr in den Griff. Das gehe „in eine demokratiegefährdende Richtung“, sagte der CDU-Politiker den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
Hintergrund der Warnung ist eine anhaltend schwache Leistungsbilanz der Deutschen Bahn. Im Fernverkehr lag die Pünktlichkeit zuletzt nur noch bei rund 60 Prozent und ging somit noch weiter zurück. Gleichzeitig verzeichnete der Konzern im vergangenen Jahr trotz steigender Fahrgastzahlen einen Verlust von 2,3 Milliarden Euro. Ursache dafür sind sogenannte Abschreibungen im Fernverkehr.
Modernisierung zentraler Strecken bis 2036 geplant
Parallel dazu wächst die Nachfrage an Bahnfahrten. Mit 1,93 Milliarden Reisenden nutzten so viele Menschen wie seit Jahren nicht mehr die Bahn. Doch Schnieder dämpfte die Erwartung, es könnte sich kurzfristig etwas verbessern. Maßnahmen wie zusätzliche Ausweichgleise oder flexiblere Abfahrtszeiten können Abhilfe schaffen.
Grundlegende Verbesserungen seien aber erst nach einer umfassenden Sanierung des Netzes zu erwarten. Die Modernisierung zentraler Strecken ist derzeit bis 2036 geplant.
Wie langwierig und störanfällig diese Arbeiten sind, zeigt sich auch an einzelnen Projekten. So verzögert sich die Sanierung der Zugstrecke zwischen Hamburg und Berlin bis, stand jetzt, Mitte Juni.
Ursprünglich sollte die Verbindung Ende April wieder freigegeben werden, doch anhaltender Frost und Schnee verhinderten zentrale Bauarbeiten. Ein neuer Zeitplan steht noch aus, die Verzögerung dürfte mehrere Wochen betragen, und das, obwohl die Strecke zu den wichtigsten Verbindungen im deutschen Fernverkehr zählt.


