Hochrechnungen

Landtagswahl in Baden-Württemberg: Grüne vor CDU – FDP und Linke scheitern an Fünf-Prozent-Hürde

Im Südwesten wird ein neuer Landtag gewählt. Rund 7,7 Millionen Menschen sind zur Abstimmung aufgerufen. Laut erster Hochrechnung liegen CDU und Grüne dicht beieinander.

Erste Hochrechnung: Grüne stärkste Kraft, CDU geschlagen, AfD wird Oppositionsführerin und FDP erstmals raus.
Erste Hochrechnung: Grüne stärkste Kraft, CDU geschlagen, AfD wird Oppositionsführerin und FDP erstmals raus.ZVG

In Baden-Württemberg hat am Sonntagmorgen die Wahl zum neuen Landtag begonnen. Seit den frühen Morgenstunden sind die Wahllokale geöffnet; bis 18 Uhr können Bürgerinnen und Bürger ihre Stimme abgeben. Rund 7,7 Millionen Menschen sind wahlberechtigt. Zum ersten Mal dürfen auch 16- und 17-Jährige wählen.

Umfragen sehen CDU und Grüne zuletzt dicht beieinander – jeweils bei etwa 28 Prozent. Das Bundesland wird derzeit von einer Koalition beider Parteien regiert. Ob dieses Bündnis fortgesetzt wird oder sich neue Mehrheiten bilden, dürfte sich erst nach der Auszählung der Stimmen zeigen. Erste Prognosen werden kurz nach der Schließung der Wahllokale erwartet.

Kretschmann tritt nicht mehr an

Gleichzeitig markiert die Wahl einen personellen Einschnitt in der Landespolitik: Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nach mehreren Amtszeiten nicht mehr an.

Der langjährige Regierungschef hatte das Land seit 2011 geführt und die Grünen erstmals an die Spitze einer Landesregierung gebracht. Mit seinem Rückzug wird nun auch die Frage entschieden, wer künftig an der Spitze der Regierung im Südwesten stehen könnte.

Politikwissenschaftler: Özdemir ist wie Kretschmann und Hagel ist „zu blass“

Kurz vor der Landtagswahl sieht der Politikwissenschaftler Joachim Behnke Vorteile für den Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir. Dieser könne sich glaubwürdig als politischer Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann präsentieren, weil „er wie Kretschmann ist“, sagte der Forscher der Zeppelin-Universität Friedrichshafen gegenüber der Schwäbischen Zeitung.

CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel sei dagegen für viele Wähler weniger präsent geblieben und habe daher weniger Chancen. „Er ist zu blass geblieben“, meint Behnke. In einer letzten Umfrage lagen CDU und Grüne jeweils bei rund 28 Prozent.

FDP hofft auf Erfolg im Südwesten

Für die FDP ist die Landtagswahl in Baden-Württemberg besonders wichtig. Rund ein Jahr nach der Bundestagswahl steckt die Partei weiter in der Krise und setzt nun auf ein gutes Ergebnis in Baden-Württemberg. Bleibt der Erfolg aus, könnte auch Parteichef Christian Dürr unter Druck geraten.

Jugendliche dürfen wählen

Diese Landtagswahl ist auch besonders aufgrund einer Änderung beim Wahlrecht: Erstmals dürfen in Baden-Württemberg 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben. Das Wahlalter wurde 2022 abgesenkt.

Kretschmann hat gewählt – Özdemir ebenfalls an der Urne

Der scheidende Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat am Sonntagvormittag seine Stimme in Sigmaringen abgegeben. Der Grünen-Politiker tritt nach rund 15 Jahren im Amt nicht mehr zur Wahl an.

Auch Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir hat seine Stimme abgegeben – in einem Wahllokal in Stuttgart. Der 60-Jährige gilt neben CDU-Landeschef Manuel Hagel (37) als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge Kretschmanns.

Noch Ministerpräsident: Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) nachdem er seine Wahlunterlagen in einem Wahllokal im Ortsteil Laiz der baden-württembergischen Stadt Sigmaringen in eine Urne geworfen hat
Noch Ministerpräsident: Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) nachdem er seine Wahlunterlagen in einem Wahllokal im Ortsteil Laiz der baden-württembergischen Stadt Sigmaringen in eine Urne geworfen hatKatharina Kausche/dpa

AfD-Spitzenkandidat Frohnmaier und CDU-Spitzenkandidat Hagel an der Urne

Auch AfD-Spitzenkandidat Markus Frohnmaier hat bereits abgestimmt. Er gab seine Stimme in Weil der Stadt im Kreis Böblingen ab. Die AfD hofft laut Umfragen auf ein deutliches Ergebnis und könnte zur stärksten Oppositionskraft werden.

CDU-Landeschef Manuel Hagel hat ebenfalls gewählt.

Wahlbeteiligung: Viele bevorzugen Briefwahl

Bis zum Nachmittag deutet sich bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg eine stärkere Beteiligung in den Wahllokalen an als vor fünf Jahren. Nach Angaben der Landeswahlleiterin hatten gegen 14 Uhr rund 41 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme bereits persönlich im Wahllokal abgegeben.

Bei der Landtagswahl 2021 lag dieser Anteil zur gleichen Uhrzeit deutlich niedriger – damals waren es etwa 31 Prozent. Ein Grund dafür war die Corona-Pandemie: Viele Wähler entschieden sich für die Briefwahl statt für den Gang ins Wahllokal. Auch bei der aktuellen Wahl wurden bereits im Vorfeld zahlreiche Stimmen per Post abgegeben.

18:00 - Erste Prognose zur Landtagswahl

Die erste Prognose zur Landtagswahl in Baden-Württemberg sieht die Grünen bei 32 Prozent und die CDU bei 29 Prozent. Dahinter folgen die SPD mit 5,5 Prozent, AfD mit 17,5 Prozent sowie FDP und Die Linke mit jeweils 4,5 Prozent. Damit würden beide Parteien den Einzug verpassen.

Die Prognose basiert auf Befragungen von Wählerinnen und Wählern nach der Stimmabgabe. Im Laufe des Abends werden Hochrechnungen erwartet, die auf bereits ausgezählten Stimmen beruhen und das Ergebnis weiter präzisieren.