Schon vor über 20 Jahren schien Xavier Naidoo es geahnt zu haben: Dieser Weg wird kein leichter sein. Für den heute 54‑jährigen Musiker gestalteten sich die vergangenen Jahre jedoch besonders steinig und schwer. Immer wieder sorgte Naidoo während der Corona-Pandemie für heftige Kritik. Der Vorwurf: Er verbreite krude Verschwörungstheorien, äußere sich fremdenfeindlich und rassistisch.
Nur wenige Jahre nach der Pandemie hört und liest man jedoch immer öfter: Xavier Naidoo hatte recht – zumindest teilweise. Anlass dafür sind die veröffentlichten Akten über den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Sie legen kriminelle Netzwerke und die Verbindungen einflussreicher Personen aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft offen und rücken Aussagen in den Fokus, die zuvor als haltlose Verschwörungstheorien galten.
Von Regierungskritik zur angeblichen Volksverhetzung
Was bei Naidoo im April 2020 mit erheblichen Zweifeln an der Existenz des Coronavirus begann – samt der Forderung nach Beweisen, dass „dieses Ding echt ist“ –, entwickelte sich im Laufe der Monate zu einer grundsätzlichen Regierungskritik und immer radikaleren Erzählungen. So verhöhnte er anfangs noch die Maskenpflicht und jegliche Schutzmaßnahmen und damit aus Sicht vieler auch die Wissenschaft, später richtete er sich direkt an deutsche Politiker: „Lieber Herr Spahn, lieber Herr Drosten, böse Frau Merkel … Sie bringen unsere Alten um.“
Noch im selben Jahr sorgte allerdings ein inzwischen offline genommenes YouTube-Video für besonderes Aufsehen. Darin brach der Söhne-Mannsheims-Sänger in Tränen aus und sprach von entführten Kindern, Ritualmorden, einer geheimnisvollen Sekte und Satanismus. Nach seiner Darstellung würden Kinder entführt, um ihnen Blut abzuzapfen – als eine Art Superdroge und Anti-Aging-Mittel für eine angebliche Weltelite. Zudem habe man die Kinder an Organhändler verkauft oder für kannibalistische Rituale getötet.
Im Juni 2024 wurde Naidoo schließlich wegen Volksverhetzung angeklagt. Den Anklageschriften zufolge soll er im März 2021 über einen Telegram-Kanal „antisemitische und den Holocaust leugnende Inhalte“ verbreitet haben. Bereits im Jahr zuvor gab es eine erste Anklage in mehreren Fällen. Eine öffentlich bekannte rechtskräftige Verurteilung liegt bislang jedoch nicht vor.
Auch wenn der Musiker sich im Frühjahr 2022 öffentlich für viele seiner Aussagen und sein Verhalten entschuldigte und in einem Video erklärte, er sei „von Verschwörungserzählungen geblendet“ gewesen, gilt er bis heute als umstrittener Künstler. Viele empfanden seine Entschuldigung als unzureichend und inhaltlich zu vage.
Musiker Manuellsen: „Er wollte uns ans Licht führen“
Doch mit der Veröffentlichung der Epstein-Files scheint sich das öffentliche Bild des lange geschassten Musikers nun vorsichtig zu verschieben. Immer mehr Kollegen und vor allem seine Fans fordern eine Rehabilitierung Naidoos. Fernsehsender und Zeitungen sollten sich bei ihm entschuldigen.
Das verlangen unter anderem die Deutschrapper Ghazi47 und Manuellsen. „Er wollte uns ans Licht führen, aber wir haben es bevorzugt, blind zu bleiben“, schrieb Manuellsen in einer inzwischen nicht mehr abrufbaren Instagram-Story. Naidoo selbst tritt bereits seit Ende des vergangenen Jahres wieder auf und spielte erst vor wenigen Wochen in der Berliner Uber-Arena.


