Gastronomie

Hotspot der weiblichen Spitzenküche: Von Berlin kann man sich eine Scheibe abschneiden

Ein Blick auf die Chef:in Watch List 2026 zeigt: In Berlin ist der Frauenanteil in der Spitzengastronomie bemerkenswert hoch. Wer sind die Chefinnen der Stunde?

2016 eröffnete in Neukölln das auf Desserts und Patisserie spezialisierte Coda. Von Anfang an dabei: Head Chef Julia Leitner
2016 eröffnete in Neukölln das auf Desserts und Patisserie spezialisierte Coda. Von Anfang an dabei: Head Chef Julia LeitnerClaudia Goedke

Frauen sind in der deutschen Spitzengastronomie weiterhin die absolute Ausnahme: Bundesweit liegt der Anteil von Sterneköchinnen bei lediglich vier Prozent. Bedeutet: Von den über 340 Restaurants, die im Guide Michelin mit mindestens einem Stern ausgezeichnet sind, haben nur 14 eine Frau als Küchenchefin.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Und die betreffen besonders Berlin: Mit Blick auf die aktuelle Chef:in Watch List 2026 fällt auf, dass 21 von 72 gelisteten Küchen-Expertinnen in der Hauptstadt arbeiten. Das ist mehr als jede dritte Nennung.

Weibliche Expertise in der Gastronomie sichtbar machen

Die kuratierte Liste der Plattform für Spitzenköchinnen umfasst in diesem Jahr fünf Kategorien: Köchinnen, Gastgeberinnen, Sommelièren, Barkeeperinnen und internationale Köchinnen. Sie soll weibliche Expertise in der Gastronomie sichtbar machen.

Head Chef Julia Leitner bereitet kandierten Kopfsalat  im Coda-Restaurant in Berlin am 3. Januar 2024 zu.
Head Chef Julia Leitner bereitet kandierten Kopfsalat im Coda-Restaurant in Berlin am 3. Januar 2024 zu.Emmanuele Contini

In der Kategorie Köchinnen sind bundesweit 26 Namen gelistet, davon sind zehn Berliner Küchenchefinnen. Zum Beispiel Julia Leitner, Head Chef im mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichneten Coda in Neukölln.

Eine Position, die sich Leitner mit Leidenschaft und Talent zielstrebig erarbeitet hat. Es begann 2007 mit einer Ausbildung zur Konditorin; bis heute treibt sie das Spiel mit Texturen, Temperaturen und Aromen an, das auch der Guide Michelin lobt: Das Coda-Team setze auf Techniken aus der Patisserie, heißt es da, und zwar „ausgesprochen raffiniert“.

Auch Sarah Hallmann ist zu nennen, deren Restaurant Hallmann & Klee einen Michelin-Stern trägt. Der Gourmet-Guide hebt die „herrlich lebendige Atmosphäre“ in dem Lokal am Böhmischen Platz hervor. In dieses charmant-urbane Bild passe „die moderne, geradlinige und oftmals reduzierte Küche aus hochwertigen Produkten, die kraftvoll und ausdrucksstark daherkommt“. Küchenchefin Sarah Hallmann („sie ist zudem kulinarische Ideengeberin und als Patronin herzlich und professionell am Gast“) und Souschefin Rosa Beutelspacher bildeten gemeinsam „ein sich wunderbar ergänzendes Duo“.

Namen wie diese zeigen, dass Berlins Spitzengastronomie längst auch weibliche Küchenhandschriften trägt. Als eine der Pionierinnen gilt diesbezüglich Sonja Frühsammer. Sie war die erste Köchin in Berlin, die mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde.

Die neue Chef:in Watch List hebt aber nicht nur Berliner Köchinnen wie Ash Lee (Chungking), Cäcilia Baldszus (Bar Basta) oder Sophia Hoffmann (Happa) hervor.

Gewürdigt werden darüber hinaus Gastgeberinnen wie Claudia Steinbauer (Luna D’Oro), Ilona Scholl (Tulus Lotrek), Katharina Bambach (Sphere) und Marie-Anne Wild (Restaurant Tim Raue). Bei den Sommelièren stehen Andrea Hochlenert (Freundschaft) und Nancy Grossmann (Grill Royal) auf der Liste, bei den Barkeeperinnen in Berlin Maria Gorbatschova (Green Door Bar) und Susan Choi (Mr. Susan).

Susan Choi, hier bei einem Kimchi-Workshop in ihrer Bar Mr. Susan in der Krausnickstraße
Susan Choi, hier bei einem Kimchi-Workshop in ihrer Bar Mr. Susan in der KrausnickstraßeNadja Wohlleben

Die Chef:in Watch List ist eine Initiative und Plattform, die darauf ausgelegt ist, Frauen in Führungspositionen der Spitzengastronomie mehr Sichtbarkeit zu verschaffen. Sie wurde von Foodjournalistinnen ins Leben gerufen, um talentierte Frauen zu präsentieren, die oft weniger Aufmerksamkeit erhalten als ihre männlichen Kollegen. In der Jury sitzt auch die Gastro-Kritikerin der Berliner Zeitung, Tina Hüttl.

Im Januar 2025 startete die Plattform mit 18 Köchinnen. In diesem Jahr sollen fünf spezialisierte Watch Lists mit insgesamt 72 Frauen die weibliche Expertise noch umfassender dokumentieren. „Die deutsche Spitzengastronomie wird weiblicher – und das nicht nur in der Küche“, erklärt Gründerin Denise Snieguole Wachter. „Von der Bar über den Service bis zum Weinkeller – überall gibt es außergewöhnliche Talente, die mehr Sichtbarkeit verdienen.“