Am Montagabend lief im Ersten die Doku „Der lange Schatten von Corona“ von Eckart von Hirschhausen, und anschließend wurde in der Sendung „Hart aber Fair“ über die Corona-Zeit diskutiert.
Wir möchten hier die Gelegenheit nutzen, unser Feedback, welches wir auch Kristin Siebert als Verantwortliche für Buch & Regie gegeben haben, zu veröffentlichen.
Zunächst einmal möchten wir uns bedanken, dass wir als „friedlich zusammen“ sehr objektiv und neutral bzw. schon fast positiv als Gruppe, die sich gesellschaftlich für Geschädigte einsetzt, dargestellt wurden. Dies war und ist nicht selbstverständlich. Wir wurden in der aufgeheizten Stimmung der Jahre 2021 bis 2023 von verschiedensten Personen und Gruppierungen, vor allem im Netz, als rechts und rechtsoffen dargestellt, uns wurde Antisemitismus vorgeworfen, obwohl wir ein breites Bündnis mit Menschen jeden Glaubens, jeder Hautfarbe und jedweder Orientierung waren und sind. Das Problem war wohl eher, dass wir politisch neutral für einen selbstbestimmten Umgang mit der Impfung und vor allem für einen verhältnismäßigen Umgang mit den Grundrechten eingetreten sind.
Der Teil der Doku, Christine Prayon und „friedlich zusammen“ betreffend, ist aus unserer Sicht eigentlich gut gelungen. Wir hätten uns allerdings weniger Fokus auf Christine Prayon gewünscht, sondern eine breitere Auseinandersetzung mit unserer Benefiz-Veranstaltung und dem Gütersloher PostVac-Hilfe Verein. Diesem Verein kamen nämlich die Einnahmen der Benefiz-Veranstaltung zugunsten von Impfgeschädigten zugute. Die Bilderwand von Impfgeschädigten wurde zwar kurz eingeblendet, aber eine erläuternde Erklärung fehlte ebenso, wie ein Interview mit den beiden schwer geschädigten Vorstandsmitgliedern des Vereins. Die beiden Frauen, die ebenso wie die Long-Covid Geschädigte Diana sehr aktiv sind, hätten es verdient gehabt, hätte man ihr Leid und Engagement in der Doku entsprechend gewürdigt. Aber das ist natürlich eine journalistische Entscheidung.
Was uns aber gar nicht gefallen hat und mittlerweile zu Recht auf Twitter und auch in der Presse kritisch aufgegriffen wurde, ist das fast schon systematische Kleinreden von PostVac. Es gibt laut Doku angeblich zwei Millionen Long-Covid Fälle, aber nur zehntausende oder etwas mehr PostVac-Fälle. Für beides gibt es keine Statistik, weil weder das RKI noch das PEI die Zahlen geliefert haben. Auch wenn Herr von Hirschhausen dies dankenswerterweise ebenfalls deutlich kritisiert, fehlt hier der Hinweis, dass es Zahlen gab, nämlich die der BKK ProVita. Diese Daten hatte der Datenanalyst Tom Lausen seinerzeit ausgewertet und hochgerechnet, dass ca. drei Millionen Menschen in Deutschland wegen Impfnebenwirkungen nach Coronaimpfung in ärztlicher Behandlung waren. Statt diese Zahlen zu überprüfen, wurde der langjährige Vorsitzende der Krankenkasse damals als „querdenkernah“ eingeordnet und entlassen. Für uns stellt sich die Frage, wie kann Herr von Hirschhausen dann eine solche Zahl als Fakt darstellen? Auch die Aussage, dass eines von hundert Kindern Long-Covid hat, ist nicht belegt. Wir kennen übrigens kein einziges Kind, welches an Long-Covid erkrankt ist. Dafür kennen wir aber zahllose Kinder, die „Long-Maßnahme“ haben, worunter beispielhaft die schlimmen psychischen Folgen des Jungen am Ende des Beitrags fallen.
Hier hätten wir von Eckart von Hirschhausen, er ist immerhin Arzt und Wissenschaftsjournalist, Ehrlichkeit erwartet und nicht das Abspulen bekannter Narrative. Auch die These, dass es ohne Impfung mehr Long-Covid Fälle gegeben hätte, ist nicht evaluiert und wird nur anekdotisch belegt. Zur Wahrheit gehört jedoch, dass bekannt ist, dass auch andere Infekte dauerhafte Schäden anrichten können. Wir kennen reichlich Impfgeschädigte und haben viele ungeklärte Todesfälle mitbekommen, wo sich keiner die Mühe gemacht hat, herauszufinden, warum junge Menschen so plötzlich versterben.
Zudem wird behauptet, dass durch die Impfung schwere Verläufe verhindert wurden und der Mann einer Freundin von Herrn von Hirschhausen noch leben könnte, hätte er nicht auf Fake-News vertraut und sich impfen lassen. Erstens belegt er auch diese These nicht, was uns zu der Bitte veranlasst, die entsprechenden Quellen hierzu nachzuliefern. Zweitens muss man beachten, dass Menschen erst 14 Tage nach der zweiten Impfung als geimpft galten, sodass alle, die vorher starben oder einen schweren Verlauf hatten, als ungeimpft in die Statistik eingeflossen sind, wenn man den Impfstatus überhaupt erfasst hat. Und drittens ist die Aussage, dass die Impfung nun sicher den Tod der Person verhindert hätte, schlicht nicht belegbar, denn am Ende wissen wir eben nicht, wer gestorben und aus welchem Grunde dies geschehen ist, weil es nicht erhoben wurde.
Der Umgang mit den Daten in der Doku ist für uns daher schlicht unerträglich, weil er eben bestehende Narrative stützt und gerade nicht der Aufarbeitung dienlich ist. Die von Herrn von Hirschhausen angeprangerte Desinformation praktiziert er hiermit selbst und ist sich des Widerspruchs offenbar nicht einmal bewusst. Hierdurch droht die Doku letztlich doch nur wieder, zu einem Feigenblatt zu werden und ist gerade nicht geeignet, zur dringend gebotenen Aufarbeitung des Geschehens der letzten viereinhalb Jahre beizutragen. Schade, es war eine Chance.
Gut gefallen hat uns aber, so fair muss man sein, dass Herr von Hirschhausen den Umgang mit Erkrankten beider Gruppen klar und deutlich kritisiert und beispielsweise laut äußert, dass Impfgeschädigte in Long-Covid-Ambulanzen abgelehnt werden. Das ist wichtig, weil Herr Lauterbach auch in der anschließenden Sendung „Hart aber Fair“ wieder einmal wider besseres Wissen kundtut, dass die Behörden die Geschädigten unterstützen und diese einen Pflegegrad erhalten, obwohl die Behörden sich der Verantwortung entziehen und die schwer betroffenen Menschen noch zusätzlich mit langwierigen Verfahren und Rechtsstreitigkeiten belasten; Solidarität sieht anders aus. Vielleicht versteht der Tagesschau-Zuschauer nun zumindest, dass es für diese Menschen schwer ist, Hilfe zu bekommen, wobei auch in der Doku von Herrn von Hirschhausen die Impfgeschädigten als kleine Gruppe bagatellisiert werden, obwohl wir mangels Datenerhebung nicht wissen, welche Schäden durch das Virus und welche durch die Impfung verursacht wurden.
Uns von „friedlich zusammen“ war auch der Hinweis auf die Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche besonders wichtig, da wir Eltern, Tanten, Onkels und Großeltern sind. Aber auch hier hätte man sich breiter aufstellen und klar benennen müssen, dass dies massiven Schäden, die unseren Kindern fremdnützig aufgezwungen wurden, bereits ex ante von Experten gesehen und angeprangert worden sind und die Politik trotz dieser Warnungen die Schäden wissentlich in Kauf genommen hat. Der Einwand „man hätte es damals nicht besser gewusst“, ist schlichtweg falsch. Zu der Aussage von Herrn Lauterbach, dass es unter Kindern noch mehr Long-Covid gegeben hätte, wenn die Schulen früher geöffnet worden wären, muss man eigentlich nichts mehr sagen, es handelt sich schlicht um Desinformation.
Wir würden uns sehr über eine Rückmeldung freuen – öffentlich oder auch privat - und natürlich über valide Quellen (also bitte keine Modellierungen) für die vielen unbelegten Aussagen.
Tina Maria Aigner, Sabine Winterfeldt und Nicole Reese haben die Initiative FRIEDLICHZUSAMMEN gegründet und setzen sich für eine unvoreingenommene, sachliche Aufarbeitung der Corona-Maßnahmen ein.
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