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„Doppelfehler“: Das katastrophale Krisenmanagement der Berliner Bildungssenatorin

Ist Katharina Günther-Wünsch lernfähig? Ein Blick auf das aktuelle Krisenmanagement lässt Zweifel aufkommen.

Es gibt Zweifel an der Lernfähigkeit der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch.
Es gibt Zweifel an der Lernfähigkeit der Berliner Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch.Soeder/dpa

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Im Laufe eines Schullebens begegnet man vielen Floskeln. Sie begleiten einen so zuverlässig wie ausgelaufene Tintenfüller oder Ausreden für nicht gemachte Hausaufgaben. Wer kennt sie nicht: „Du lernst nicht für die Schule, sondern für das Leben!“ oder der pädagogische Dauerbrenner „Aus Fehlern lernt man!“? Doch gilt das eigentlich auch für den Berliner Senat für Bildung?

In der Corona-Zeit waren Schulen mit nahezu allem überfordert: täglichen Corona-Tests im Unterricht, der hastigen Entwicklung digitaler Lernangebote – und nicht zuletzt mit der ständigen Sorge um die eigene Gesundheit. Besonders strapaziös war jedoch, dass zentrale Entscheidungen der Senatsverwaltung regelmäßig über die Presse bekannt wurden. Nicht selten am Freitagabend. Die Folge: Schulen mussten übers Wochenende im Eilverfahren Hybridmodelle organisieren. Ein Einzelfall? Keineswegs. Dieses Muster wiederholte sich mehrfach. Viele Lehrkräfte vermissten schmerzlich das, was man juristisch nüchtern „Fürsorgepflicht des Arbeitgebers“ nennt.

Der Unterricht könnte im Notfall auch konsequent digital organisiert werden.
Der Unterricht könnte im Notfall auch konsequent digital organisiert werden.Karsten Thielker/imago

Und heute? Hat man aus diesen Fehlern gelernt? Ein Blick auf das aktuelle Krisenmanagement der Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch lässt Zweifel aufkommen.

Erstens: Warum so spät?

Die Aufhebung der Präsenzpflicht am 9. Januar 2026 wurde erst am Donnerstagnachmittag veröffentlicht – zu einem Zeitpunkt, an dem der Unterricht in den meisten Schulen bereits beendet war. Dabei war längst klar, dass Sturm „Elli“ mehr sein könnte als ein gewöhnlicher Wintergruß. Trotzdem: keine Vorlaufzeit, keine Möglichkeit für Schulen, eigene Konzepte zu entwickeln, keine echte Abstimmung. Das ist kein Krisenmanagement, das ist Krisenverwaltung auf Zuruf.

Noch irritierender: Die viel beschworene „Eigenverantwortung der Schulen“ entpuppt sich erneut als wohlklingende Floskel. Warum hat man den Schulleitungen nicht frühzeitig die Entscheidung überlassen, wie der Freitag organisiert wird? Vertrauen sieht anders aus.

Zweitens: Gefährlich für Kinder – zumutbar für Lehrkräfte?

Als Familienvater begrüße ich ausdrücklich, dass Schülerinnen und Schüler morgen nicht den riskanten Schulweg antreten müssen. In den vergangenen Tagen habe ich mehrfach gesehen, wie Menschen auf vereisten Gehwegen stürzten. Auch auf unserem Schulhof kam es bereits zu Unfällen. Doch eine Frage drängt sich auf: Warum gilt diese Fürsorge nicht auch für das pädagogische Personal? Was spricht dagegen, den Unterricht an diesem Tag konsequent digital zu organisieren? Warum traut man Lehrkräften nicht zu, das umzusetzen, was sie in der Pandemie längst bewiesen haben: flexibel, professionell und verantwortungsvoll zu handeln?

Eine Aufhebung der Präsenzpflicht auch für Lehrerinnen und Lehrer hätte ein starkes Signal gesendet: Der Senat sorgt sich nicht nur um seine Schülerinnen und Schüler – sondern auch um diejenigen, die jeden Tag den Laden am Laufen halten. So bleibt aber der Eindruck eines doppelten Standards: Schutz für die einen, Pflichtgefühl für die anderen.

Die Lehren aus Corona? Offensichtlich ungenutzt. Am Ende bleiben mir nur zwei Hoffnungen: Erstens, dass Katharina Günther-Wünsch auf dem Tennisplatz in brenzligen Situationen schneller und entschlossener reagiert als in der Bildungspolitik. Und zweitens: Möge es bis zur nächsten Wahl im September keine weitere Krise geben, die von dieser Senatorin gemanagt werden muss. Denn ein weiteres „Doppelfehler“-Spiel verträgt das Berliner Bildungssystem schlicht nicht mehr.

Johannes Herdmann ist seit 2016 angestellter Lehrer für die Fächer Deutsch und Geschichte. In den vergangenen Jahren wirkte er zudem in verschiedenen Gremien zur Weiterentwicklung der Schulqualität in Berlin mit. Er ist außerdem Vater einer vierjährigen Tochter.

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