Mindestens zwei Handelsschiffe geben an, am Samstag von Schüssen getroffen worden zu sein, als sie versuchten, die Straße von Hormus zu durchqueren. Dies berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf drei Quellen aus dem Bereich der maritimen Sicherheit und der Schifffahrt. Die Auswirkungen der mutmaßlichen Angriffe waren zunächst unklar.
Auch die von der britischen Royal Navy geführte Schifffahrtsorganisation UK Maritime Trade Operation (UKMTO) meldete einen Vorfall in der Nähe der Meerenge nordöstlich des Oman. Laut einer auf X geteilten Warnung gab der Kapitän eines Tankers an, zwei Schnellboote der iranischen Revolutionsgarde hätten sich seinem Schiff genähert, ohne vorher über Funk Kontakt aufzunehmen. Anschließend hätten sie auf sein Schiff geschossen.
„Der Tanker und die Besatzung sind Berichten zufolge in Sicherheit. Die Behörden ermitteln“, hieß es in der Erklärung. Weitere Angaben zu dem Schiff machte die Organisation zunächst nicht. Kurze Zeit später berichtete UKMTO über einen weiteren Vorfall, bei dem ein Containerschiff von „einem unbekannten Geschoss“ getroffen und einige Container beschädigt wurden.
Bloomberg berichtete unter Berufung auf eine nicht näher genannte Reederei, ein Supertanker habe per Funk gemeldet, dass er beschossen werde. Ein anderer Supertanker gab dem Bericht zufolge an, eine geplante Durchfahrt abgebrochen zu haben. Einige Schiffe hatten am Samstag die Durchfahrt versucht, andere kehrten um. Bloomberg sprach von „Chaos“ in der Meerenge.
Tracking-Daten: Kreuzfahrtschiffe durchfahren Meerenge
Zwei Kreuzfahrtschiffe von Tui Cruises nahmen ebenfalls Kurs auf die Straße von Hormus, wie mehrere Medien berichten. Zuvor hatte einem Euronews-Bericht zufolge das unter maltesischer Flagge fahrende Passagierschiff Celestyal Discovery bereits am Freitag Dubai verlassen und die Meerenge erfolgreich passiert.
Die Tui-Schiffe „Mein Schiff 4“ und „Mein Schiff 5“ befanden sich am Samstagnachmittag im Golf von Oman, wie auf der Website des Tracking-Datenanbieters MarineTraffic ersichtlich war. Eines der Schiffe hatte sich vorher in Abu Dhabi befunden, das andere vor Doha. Beide Schiffe geben laut den Daten den omanischen Hafen Muscat als Ziel an.
Iran: Straße von Hormus bleibt wegen US-Blockade gesperrt
Zuvor hatte der Iran eine Ankündigung über eine Öffnung der Meerenge zurückgenommen. „Die Kontrolle über die Straße von Hormus ist wieder in den früheren Zustand zurückgekehrt“, erklärte ein Sprecher des gemeinsamen Militärkommandos der iranischen Streitkräfte laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars. Begründet wurde der Schritt mit einer anhaltenden US-Blockade iranischer Häfen.
Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi hatte am Freitag die vorübergehende Öffnung der Straße von Hormus für Handelsschiffe verkündet, nachdem eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon in Kraft getreten war. Der Transit sei entlang vom Iran genehmiger Routen möglich.
US-Präsident Donald Trump begrüßte die Öffnung der Meerenge zunächst, erklärte jedoch, dass die amerikanische Blockade der iranischen Häfen bis zu einer endgültigen Vereinbarung mit Teheran aufrechterhalten werde. Der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf sagte daraufhin, die Meerenge werde nicht offen bleiben, solange die US-Blockade iranischer Häfen andauere.

