Chemieindustrie

„Wir brauchen einen Krisenfahrplan“: 63.000 Jobs bedroht – Ost-Chemie fordert schnelle Hilfe

Produktion und Umsätze in der deutschen Chemieindustrie brechen weiter ein. Branchenvertreter und Gewerkschaften rufen die Bundesregierung zum Handeln auf.

Die Chemieindustrie in Ostdeutschland fürchtet um Tausende Arbeitsplätze.
Die Chemieindustrie in Ostdeutschland fürchtet um Tausende Arbeitsplätze.Jan Woitas

Die ostdeutsche Chemie- und Pharmaindustrie hat vor einem Verlust von mehr als 63.000 Arbeitsplätzen in der Branche gewarnt. „Wir brauchen einen Krisenfahrplan. Die Zeit des Redens ist vorbei – jetzt muss gehandelt werden“, sagte Nora Schmidt-Kesseler, Hauptgeschäftsführerin der Nordostchemie-Verbände, beim „Chemiegipfel Ostdeutschland“. Arbeitgeber und Gewerkschaften haben der Bundesregierung an diesem Montag einen Fünf-Punkte-Plan zur Stabilisierung der Branche übergeben.

Produktion und Umsätze in der ostdeutschen Chemie- und Pharmaindustrie brechen nach Angaben der Sozialpartner seit 2022 kontinuierlich ein. Die Kapazitätsauslastung liege mit höchstens 70 Prozent deutlich unter der Rentabilitätsschwelle.

Sorge wegen Anlagenschließungen

Zu dem Chemiegipfel kamen etwa 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Arbeitnehmerschaft. Teil des Fünf-Punkte-Plans sind unter anderem verlässliche Rahmenbedingungen für industrielle Produktion, die Stärkung von Wertschöpfungsketten, eine wettbewerbsfähige und sichere Energieversorgung, eine mit der Wettbewerbsfähigkeit vereinbare Klimapolitik sowie umfassender Bürokratieabbau mit schnelleren Genehmigungsverfahren.

Die Chemieindustrie steht bundesweit unter Druck – vor allem wegen hoher Energiekosten, schwacher Nachfrage und zunehmender internationaler Konkurrenz, unter anderem aus China. Zudem ist die Sorge vor weiteren Arbeitsplatzverlusten vor dem Hintergrund geplanter Anlagenschließungen groß.

So hatte etwa der amerikanische Konzern Dow Chemical vor einigen Monaten angekündigt, Teile seiner Anlagen in Schkopau in Sachsen-Anhalt und im sächsischen Böhlen Ende 2027 zu schließen. Letztere, der sogenannte Steamcracker in Böhlen, ist dabei besonders umstritten. Politik und Branche befürchten, dass die Stilllegung dieser Anlage weitere Unternehmen in der Region beeinträchtigen könnte. (dpa)