US-Regierung

Weißes Haus wirft China vor, amerikanische KI-Modelle in großem Ausmaß zu kopieren

Die USA beschuldigen „ausländische Akteure“, amerikanische KI-Technologien zu kopieren. Diese sollen vor allem aus China stammen.

Michael Kratsios, Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen Haus
Michael Kratsios, Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen HausUPI Photo/imafgo

Das Weiße Haus hat „ausländische Akteure“ beschuldigt, systematisch Fähigkeiten amerikanischer KI-Modelle zu kopieren, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Memorandum hervorgeht. Die Vorwürfe könnten einem Reuters-Bericht zufolge die Spannungen zwischen den USA und China im Vorfeld eines geplanten Treffens zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping im nächsten Monat verschärfen.

Der Direktor des Büros für Wissenschafts- und Technologiepolitik im Weißen Haus, Michael Kratsios, erklärte auf X: „Den USA liegen Beweise dafür vor, dass ausländische Akteure, vor allem aus China, Destillationskampagnen in industriellem Ausmaß durchführen, um amerikanische KI zu stehlen.“

Bei der Destillation werden laut Reuters kleinere KI-Modelle anhand der Ergebnisse größerer Modelle trainiert, was die Kosten für die Entwicklung eines neuen KI-Modells senke. Kratsios fügte hinzu, die USA würden „Maßnahmen ergreifen, um amerikanische Innovationen zu schützen“.

US-Regierung will Maßnahmen ergreifen

Er sagte weiter, zehntausende Proxy-Accounts und sogenannte Jailbreaking-Methoden würden in koordinierten Kampagnen eingesetzt, um amerikanische KI-Entwicklungen systematisch abzuschöpfen. Damit sind Techniken gemeint, mit denen Schutzmechanismen von KI-Modellen umgangen werden, um Informationen offenzulegen, die das System eigentlich blockieren soll.

In dem Memorandum heißt es, „koordinierte Kampagnen“ würden „systematisch Fähigkeiten aus amerikanischen KI-Modellen“ extrahieren und es Akteuren im Ausland ermöglichen, eigene Produkte zu einem Bruchteil der Kosten auf den Markt zu bringen. Die chinesische Botschaft in Washington wies die Vorwürfe laut Reuters als „haltlos“ zurück. Peking messe „dem Schutz der Rechte an geistigem Eigentum große Bedeutung bei“.

Die US-Regierung kündigte in dem Memorandum an, Informationen über derartige Kampagnen mit amerikanischen KI-Unternehmen zu teilen und Maßnahmen zu prüfen, um „ausländische Akteure zur Verantwortung zu ziehen“.

Frühere Vorwürfe gegen chinesische Firmen

Die KI-Unternehmen OpenAI und Anthropic hatten Anfang des Jahres laut dem Sender CNBC chinesischen Unternehmen Destillations-Versuche auf ihre Modelle vorgeworfen. Bereits 2024 hatte das US-Justizministerium nach Angaben von Axios einen früheren Google-Softwareentwickler angeklagt, KI-Geschäftsgeheimnisse gestohlen und an zwei chinesische Unternehmen weitergegeben zu haben.

Die Erklärung wirft laut Reuters Fragen darüber auf, ob Washington weiterhin Lieferungen leistungsstarker KI-Chips des US-Konzerns Nvidia nach China zulassen wird, nachdem die Trump-Regierung solche Verkäufe im Januar unter Auflagen genehmigt hatte. Handelsminister Howard Lutnick hatte dem Bericht zufolge am Mittwoch erklärt, dass bislang noch keine Lieferung erfolgt sei.