Einer der am höchsten ausgezeichneten Soldaten Australiens ist wegen Vorwürfen von fünf Kriegsverbrechen angeklagt worden, wie unter anderem der Sender ABC berichtet. Dem 47-jährigen ehemaligen Elitesoldaten Ben Roberts-Smith wird demnach vorgeworfen, zwischen 2009 und 2012 an dem mutmaßlichen Mord von fünf Unbewaffneten in Afghanistan beteiligt gewesen zu sein.
Roberts-Smith nahm laut Reuters zwischen 2006 und 2012 an sechs Einsätzen in Afghanistan teil. Ihm wurden mehrere hohe militärische Auszeichnungen verliehen, darunter das Victoria-Kreuz, die höchste militärische Tapferkeitsauszeichnung des Landes. Er soll am Mittwoch vor dem Haftrichter erscheinen. Auf jede einzelne Anklage steht laut Reuters eine Höchststrafe von lebenslanger Haft.
Behörden berichten von komplexen Ermittlungen
Eine Kommissarin der australischen Bundespolizei (AFP), Krissy Barrett, erklärte laut Reuters: „Es wird behauptet werden, dass die Opfer zum Zeitpunkt ihrer mutmaßlichen Ermordung in Afghanistan nicht an Kampfhandlungen teilgenommen haben.“ Außerdem werde die Polizei behaupten, dass der Angeklagte die Opfer entweder selbst erschossen oder untergebene Soldaten dazu angewiesen habe.
Ross Barnett, Leiter der Sonderermittlungsbehörde OSI, erklärte laut Reuters, die Ermittlungen seien komplex, da die Behörden die mutmaßlichen Tatorte in Afghanistan nicht besichtigen konnten. „Wir haben keinen Zugang zu den Tatorten, wir haben keine Fotos, Lagepläne, Messungen, die Bergung von Projektilen, Blutspurenanalysen, all die Dinge, die wir normalerweise an einem Tatort erhalten würden“, sagte er auf einer Pressekonferenz.
Er sprach laut ABC nach der Festnahme von einem „bedeutenden Schritt“ unter „schwierigen Umständen“. Roberts-Smith habe „Anspruch auf die Unschuldsvermutung, bis das Gegenteil bewiesen ist“.
Insgesamt untersuchten die Behörden laut ABC seit 2021 53 Fälle von Kriegsverbrechen. 39 dieser Fälle seien ohne Anklageerhebung abgeschlossen, zehn Fälle sind derzeit noch anhängig. Barnett schloss weitere Festnahmen nicht aus.
Ex-Soldat scheiterte mit Klage gegen Medienkonzern
Roberts-Smith hatte zuvor gegen die Zeitungen des Medienkonzerns Nine Entertainment geklagt, nachdem diese über mutmaßliche Kriegsverbrechen berichtet hatten – darunter, dass er einen unbewaffneten afghanischen Jugendlichen erschossen und einen gefesselten Mann von einer Klippe getreten habe, bevor er befahl, ihn zu erschießen, wie Reuters berichtet.
Der Prozess endete 2023 mit einer Niederlage für Roberts-Smith: Das Bundesgericht befand, dass Behauptungen, er sei für den Tod von vier Gefangenen in Afghanistan verantwortlich oder daran beteiligt gewesen, mit großer Wahrscheinlichkeit zutrafen. Eine letzte Berufung wies der High Court im September 2025 ab. Es wurden laut ABC keine strafrechtlichen Schuldsprüche erlassen. Roberts-Smith bezeichnete die Vorwürfe dem Bericht zufolge als „ungeheuerlich“ und „boshaft“.
Es handelt sich dem Bericht zufolge erst um den zweiten Fall, in dem ein australischer Soldat wegen Kriegsverbrechen in Afghanistan angeklagt wird.

