Vor der Südküste Kretas ist die Zahl der ankommenden Migranten stark angestiegen. Wie die griechische Küstenwache mitteilte, wurden allein am Freitagmorgen zwischen 4 und 9 Uhr insgesamt 346 Menschen in sieben Rettungseinsätzen aus dem Meer geholt, berichtet die griechische Tageszeitung Kathimerini. Bereits am Vortag waren 456 Migranten auf Kreta und der vorgelagerten Insel Gavdos eingetroffen – überwiegend Männer aus Pakistan, Afghanistan, Bangladesch, dem Sudan und Ägypten, die von Libyen aus in See gestochen waren.
An den Einsätzen waren Boote der Küstenwache, Luftüberwachung der EU-Grenzschutzagentur Frontex sowie in einem Fall ein Frachtschiff beteiligt, wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf die Küstenwache berichtet. Die Behörden führen den Anstieg der Überfahrten auf das derzeit ruhige Wetter im Seegebiet zurück, das Schleuserbanden ausnutzten.
Kreta hat sich zum wichtigsten Einstiegspunkt für irreguläre Migration nach Griechenland entwickelt. Rund 20.000 Menschen erreichten die Insel im Jahr 2025. Insgesamt kamen laut Kathimerini im vergangenen Jahr 48.771 Asylsuchende nach Griechenland – ein Rückgang um 20 Prozent gegenüber 2024, als 62.116 Ankünfte registriert wurden.
Athen befürchtet neue Flüchtlingswelle
Die griechische Regierung befindet sich wohl in einer Phase erhöhter Wachsamkeit bezüglich der Ankünfte von Migranten. Wie die Zeitung Kathimerini weiter unter Berufung auf Regierungskreise berichtet, bestehen in Athen zwei zentrale Befürchtungen: Zum einen hält der Iran eine große afghanische Bevölkerungsgruppe im Land – ein Zusammenbruch könnte eine neue Migrationswelle von Afghanen auslösen. Zum anderen könnten interne Konflikte im Iran Teile der Bevölkerung zur Flucht in sicherere Regionen bewegen.
Migrationsminister Thanos Plevris kündigte laut Kathimerini an, die Überwachung iranischer Asylbewerber in Griechenland auszuweiten. Die Bearbeitung von Asylanträgen iranischer Staatsbürger werde vorerst ausgesetzt, da die Lage im Iran „unvorhersehbar und volatil“ sei. Das Recht, einen Asylantrag zu stellen, bleibe jedoch bestehen, stellte das Ministerium klar.
Zudem warnte die Regierung vor einer möglichen Radikalisierung muslimischer Gruppen in Griechenland – sei es durch vom Iran aktivierte terroristische Netzwerke oder durch religiös motivierte Reaktionen auf die Eskalation im Nahen Osten.


