Kosovo

Ausschreitungen im Kosovo: Tennis-Star Djokovic sorgt mit Botschaft für Wirbel

Mehr als 30 Soldaten der Nato-geführten Friedensmission KFOR sind unter den Opfern der jüngsten Ausschreitungen. Eine Friedensbotschaft von Novak Djokovic sorgt für Diskussionen.

Novak Djokovic in Frankreich.
Novak Djokovic in Frankreich.Susann Mullanex/imago

Bei Ausschreitungen im Kosovo sind dutzende Menschen, darunter auch Soldaten der Nato-geführten Friedensmission im Kosovo (KFOR), verletzt worden. Nach Angaben aus Rom und Budapest erlitten mehr als 30 italienische und ungarische KFOR-Soldaten teils schwere Verletzungen, als sie sich am Montag serbischen Demonstranten entgegenstellten, die die Stadtverwaltung in Zvecan im Norden des Kosovo stürmen wollten. Neben der Nato verurteilten auch Rom und Berlin die Ausschreitungen und forderten alle Seiten zur Zurückhaltung auf. 

Auch eine Aussage von Tennis-Profi Novak Djokovic nach einem gewonnen Spiel sorgt für Aufruhr. Der 22-malige Grand-Slam-Sieger gab nach seinem Sieg ein politisches Statement ab. Auf eine Kamera-Linse schreibt der Serbe: „Kosovo ist das Herz Serbiens – hört auf mit der Gewalt.“ Er spielte damit damit auf den Konflikt an. Djokovics Vater wurde im Kosovo geboren. 

Meist unterschreiben die Spieler auf den großen Plätzen nach Siegen mit ihrer Signatur, nutzen dies aber auch für Botschaften.

Im Netz polarisiert die Aktion. Einige Nutzer unterstützen seine Position, andere kritisieren, dass es sich um eine Provokation handeln könnte. 

Die Organisatoren waren für eine Stellungnahme zu der Aktion von Djokovic angefragt. Gemäß grundsätzlicher Ethikregeln des französischen Tennisverbands ist unter anderem die öffentliche Äußerung von politischen und religiösen Meinungen untersagt. Ob dies auch bei den French Open gilt, war zunächst unklar.

Djokovic selbst sagte auf einer Pressekonferenz: „Ich bin kein Politiker und habe auch keine bösen Absichten. Ich weiß, es ist heikel. Es tut mir einfach weh, was passiert.“

Mehrere KFOR-Soldaten bei Ausschreitungen verletzt

Hintergrund von Djokovics Aktion sind auch die jüngsten Auseinandersetzungen, bei denen KFOR-Soldaten verletzt wurden. „Mehrere Soldaten des italienischen und ungarischen KFOR-Kontingents wurden grundlos angegriffen und erlitten durch die Explosion von Brandbomben Verletzungen mit Knochenbrüchen und Verbrennungen“, teilte die KFOR am Montagabend mit. Sie verurteilte die Angriffe auf ihre Truppen als „völlig inakzeptabel“. KFOR-Kommandeur Angelo Michele Ristuccia erklärte, seine Truppe werde „ihr Mandat weiterhin unparteiisch erfüllen“.

Das ungarische Verteidigungsministerium teilte mit, mehr als 20 ungarische KFOR-Soldaten seien verletzt worden, sieben von ihnen schwer. Nach Angaben des italienischen Außenministers Antonio Tajani wurden insgesamt elf italienische KFOR-Soldaten verletzt, drei von ihnen schwer. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erklärte, weitere Angriffe gegen die KFOR würden „nicht toleriert“. Das Auswärtige Amt in Berlin forderte einen „sofortigen Stopp“ der Gewalt.

Serbiens Präsident Aleksandar Vucic erklärte, 52 Serben seien verletzt worden, drei von ihnen schwer. Ein 50-Jähriger sei „durch zwei Schüsse von (ethnischen) albanischen Spezialkräften verletzt“ worden, teilte er im Online-Netzwerk Facebook mit.

Demonstranten greifen KFOR-Soldaten offenbar mit Steinen an

Die serbischen Demonstranten hatten versucht, in Zvecan in das Gebäude der Stadtverwaltung einzudringen. Die kosovarische Polizei setzte daraufhin Tränengas ein. KFOR-Soldaten schalteten sich ein und positionierten sich mit Schutzschilden und Stöcken zwischen der Polizei und den Demonstranten. Wie ein AFP-Reporter beobachtete, wurden die Soldaten daraufhin von mehren Demonstranten mit Steinen, Flaschen und Brandsätzen angegriffen.

Die Demonstranten fordern den Abzug der kosovarischen Sicherheitskräfte aus der Region. Auch verlangen sie die Absetzung von der ethnisch-albanischen Bevölkerungsgruppe angehörenden Bürgermeistern in der mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Region.

Proteste gegen Übernahme von Bürgermeisterämtern durch ethnische Albaner

Im April hatten die kosovarischen Behörden in vier mehrheitlich von Serben bewohnten Orten Kommunalwahlen abgehalten. Die Serben boykottierten die Wahlen jedoch weitgehend, so dass die albanische Minderheit trotz einer Wahlbeteiligung von insgesamt weniger als 3,5 Prozent die Kontrolle über die Gemeinderäte übernahm. Der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti setzte in der vergangenen Woche die Bürgermeister ein und widersetzte sich damit Forderungen der EU und der USA.

Bereits am vergangenen Freitag hatte es vehemente Proteste gegen die Übernahme von Bürgermeisterämtern durch ethnische Albaner und Konfrontationen mit den Sicherheitskräften gegeben. Auch dabei setzte die Polizei Tränengas ein. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic versetzte daraufhin die Armee in „höchste Alarmbereitschaft“ und entsandte Soldaten an die Grenze zum Kosovo.

Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Rund 120.000 Serben leben im Kosovo.