Proteste

Kosovo: Serben versuchen, Stadtverwaltung in Zvecan zu stürmen

Nach Einsetzung von Bürgermeistern aus der albanischen Minderheit gehen die Proteste weiter. Es kommt erneut zur Konfrontation zwischen Serben und der Polizei.

Serben versuchten am Montagmorgen, in dem Ort Zvecan in das Gebäude der Stadtverwaltung einzudringen.
Serben versuchten am Montagmorgen, in dem Ort Zvecan in das Gebäude der Stadtverwaltung einzudringen.AFP

Im Norden des Kosovo ist es erneut zu einer gewaltsamen Konfrontation zwischen serbischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Die Gruppe ethnischer Serben hatte am Montagmorgen versucht, in dem Ort Zvecan in das Gebäude der Stadtverwaltung einzudringen, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Die Polizei setzte daraufhin Tränengas ein und drängte die Menge zurück.

Soldaten der Nato-geführten Kfor-Mission schalteten sich dann ein und positionierten sich zwischen der Polizei und den Demonstranten. Rund 50 Soldaten aus Polen und Ungarn umstellten das Verwaltungsgebäude, wie ein AFP-Journalist berichtete.

Demonstranten sollen Tränengasgranaten geschleudert haben

Die kosovarische Polizei erklärte, die Protestierenden hätten zuerst Tränengasgranaten geschleudert und versucht, die Sicherheitsabsperrung vor dem Gebäude zu durchbrechen. Die Sicherheitskräfte seien deshalb gezwungen gewesen, die Situation „mit legalen Mitteln“ unter Kontrolle zu bringen. Die Polizisten hätten unter anderem Pfefferspray eingesetzt.

Die Demonstranten fordern den Abzug der kosovarischen Sicherheitskräfte aus der Region. Auch verlangen sie die Absetzung von der ethnisch-albanischen Bevölkerungsgruppe entstammenden Bürgermeistern in der mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Region.

In Zvecan kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.
In Zvecan kam es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei.AFP

Serben boykottierten die Wahlen weitgehend

Im April hatten die kosovarischen Behörden in vier mehrheitlich von Serben bewohnten Orten Kommunalwahlen abgehalten. Die Serben boykottierten die Wahlen jedoch weitgehend, so dass die albanische Minderheit trotz einer Wahlbeteiligung von insgesamt weniger als 3,5 Prozent die Kontrolle über die Gemeinderäte übernahm.

Der kosovarische Ministerpräsident Albin Kurti setzte in der vergangenen Woche die Bürgermeister ein und widersetzte sich damit den Forderungen der EU und der USA.

Serbiens Präsident schickt Soldaten an die Grenze zum Kosovo

Bereits am vergangenen Freitag gab es vehemente Proteste gegen die Übernahme von Bürgermeisterämtern durch ethnische Albaner und Konfrontationen mit den Sicherheitskräften. Auch dabei setzte die Polizei Tränengas ein. Serbiens Präsident Aleksandar Vucic versetzte daraufhin die Armee in „höchste Alarmbereitschaft“ und entsandte Soldaten an die Grenze zum Kosovo.

25 KFOR-Soldaten bei Ausschreitungen im Kosovo verletzt

Bei den Ausschreitungen wurden rund 25 Soldaten der Nato-geführten Friedensmission im Kosovo (KFOR) von serbischen Demonstranten verletzt. „Mehrere Soldaten des italienischen und ungarischen KFOR-Kontingents wurden grundlos angegriffen und erlitten durch die Explosion von Brandbomben Verletzungen mit Knochenbrüchen und Verbrennungen“, teilte die KFOR am Montagabend mit. Die KFOR verurteilte die Angriffe auf ihre Truppen und betonte, solche Angriffe seien „völlig inakzeptabel“. 

Das 1,8-Millionen-Einwohner-Land Kosovo mit seiner mehrheitlich ethnisch-albanischen Bevölkerung hatte im Jahr 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien erklärt, wird aber von Belgrad bis heute als serbische Provinz betrachtet. Rund 120.000 Serben leben im Kosovo.