Sexualstraftaten

Vergewaltiger-Netzwerk in Deutschland aufgedeckt: Männer betäubten Frauen und filmten Taten

Ermittler sehen Verbindungen zwischen Fällen in München, Berlin und Frankfurt. Täter nutzten Telegram für Austausch über Medikamente und Tatvideos.

Die Polizei hat wohl ein riesiges Vergewaltiger-Netzwerk zerschlagen.
Die Polizei hat wohl ein riesiges Vergewaltiger-Netzwerk zerschlagen.Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Ermittlungsbehörden in mehreren deutschen Städten gehen gegen ein mutmaßliches Netzwerk von Sexualstraftätern vor, die Frauen systematisch mit Medikamenten betäubt, vergewaltigt und die Taten gefilmt haben sollen. Die Beschuldigten standen offenbar über Chatgruppen in Kontakt, in denen sie sich gegenseitig bestärkten, Anleitungen austauschten und ihre Verbrechen dokumentierten. Die Opfer wurden in den Chats abwertend als „Autos" oder „tote Schweine" bezeichnet.

Im Zentrum der Ermittlungen steht ein 27-jähriger chinesischer Student, gegen den am Dienstag in München das Urteil erwartet wird. Er hat gestanden, seine Freundin wiederholt mit Narkosemitteln betäubt und vergewaltigt zu haben, wie die B.Z. berichtet. Auf sichergestellten Videos soll zu sehen sein, wie er Medikamente nachspritzte oder seiner Freundin mit Betäubungsmitteln getränkte Tücher ins Gesicht drückte, um ein Aufwachen zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft, die Feststellung besonderer Schwere der Schuld sowie Sicherungsverwahrung – unter anderem wegen versuchten Mordes und Vergewaltigung.

Verurteilungen in Berlin und Frankfurt bereits erfolgt

In Berlin wurde der chinesische Student Tong Z. (25) im Juni 2025 zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt. Die Anklage umfasste 15 Straftaten an elf Frauen, darunter zwei Vergewaltigungen. In einem Fall soll er eine Frau nach einem gemeinsamen Abendessen mit dem Schlafmittel Triazolam betäubt haben – die Anklage wertete dies als „Beibringung von Gift".

Noch schwerer wiegt der Frankfurter Fall: Dort wurde der IT-Experte Dapeng Z. (44) im Februar 2026 zu 14 Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt hatte im Juni 2025 Anklage wegen 22 Taten an sieben Frauen erhoben, die sich zwischen 2020 und 2024 ereignet haben sollen. Der Verurteilte lockte seine Opfer demnach unter dem Vorwand von Wohnungsbesichtigungen in seine Wohnung, betäubte sie mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, vergewaltigte sie und filmte die Taten. Die Dosierung der verabreichten Mittel „hätte in mehreren Fällen den Tod herbeiführen können", erklärte die zuständige Staatsanwältin. Die Opfer hätten nur durch Zufall überlebt.

Telegram als Plattform für den Austausch

Die Ermittler gehen davon aus, dass Dapeng Z. die Aufnahmen seiner Taten jahrelang über den Messengerdienst Telegram an Gleichgesinnte weiterleitete. In den Chatgruppen sollen sich die Männer über Dosierungen und Beschaffungswege für Betäubungsmittel sowie über ihre sogenannten „Erfahrungen" ausgetauscht haben. In mehreren Fällen soll der Frankfurter Verurteilte sedierende Mittel sogar an andere Chat-Teilnehmer verkauft haben.

Die Behörden sehen klare Verbindungen zwischen den Beschuldigten in den verschiedenen Städten. Die Chatgruppen dienten offenbar nicht nur dem Austausch, sondern auch der gegenseitigen Bestärkung und der Weitergabe konkreter Anleitungen. Viele der betroffenen Frauen erfuhren erst durch die Polizei, was ihnen angetan worden war.