Die Polizei hat im vergangenen Jahr in Deutschland knapp 14.000 Vergewaltigungsdelikte registriert. Das ist ein Anstieg von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das geht aus Angaben der Bundesländer hervor, über die die Welt am Sonntag berichtet. Im Vergleich zu 2018, als noch rund 8000 Fälle erfasst wurden, entspricht dies einem Anstieg um fast 6000 Fälle.
Bundesjustizministerin Hubig bezeichnete die Taten als „entsetzliche Verbrechen" und sprach sich für eine Verschärfung des Strafrechts aus. Konkret forderte sie höhere Mindeststrafen für Vergewaltigungsdelikte. Ein entsprechender Gesetzentwurf solle zeitnah im Bundeskabinett beschlossen werden, so Hubig.
Gründe für Anstieg sind nicht klar
Die Gründe für den deutlichen Anstieg der erfassten Fallzahlen gehen aus den bisher veröffentlichten Angaben nicht hervor. Offen bleibt, ob die Zunahme auf eine tatsächlich gestiegene Zahl von Taten, eine höhere Anzeigebereitschaft der Betroffenen oder auf Veränderungen in der statistischen Erfassung zurückzuführen ist. Das sogenannte Dunkelfeld – also die Zahl der nicht angezeigten Fälle – gilt bei Sexualdelikten als besonders hoch.
Die angekündigte Anhebung der Mindeststrafen dürfte in der politischen Debatte auf unterschiedliche Reaktionen stoßen. Befürworter schärferer Sanktionen argumentieren, dass höhere Strafen eine abschreckende Wirkung entfalten und den Schutz der Opfer stärken könnten. Kritiker hingegen verweisen darauf, dass die Strafverschärfung allein wenig bewirke, solange nicht gleichzeitig in Prävention, Opferschutz und eine bessere Ausstattung der Ermittlungsbehörden investiert werde.


