Venezuelas Interimspräsidentin Delcy Rodríguez hat am Mittwoch eine „verantwortungsvolle Anhebung“ der Arbeitseinkommen zum 1. Mai angekündigt, ohne eine konkrete Summe zu nennen. Das berichtete Reuters.
In einer Ansprache im Staatsfernsehen sagte Rodríguez, steigende Einnahmen aus dem Erdöl- und Bergbausektor sollten künftig höhere Löhne ermöglichen. Sobald mehr Mittel zur Verfügung stünden, wolle die Regierung „eine nachhaltige Anhebung der Löhne und ein höheres Einkommen für die Arbeiter“ erreichen. Zugleich betonte Rodríguez, dass die Auswirkungen auf die Inflation berücksichtigt würden. Rodríguez rief erneut dazu auf, die US-Sanktionen gegen Venezuela aufzuheben.
La presidenta encargada de la República, Delcy Rodríguez anunció que el 1° de Mayo habrá un incremento responsable.
— PSUV (@PartidoPSUV) April 9, 2026
Destacó que en el futuro próximo, "conforme tengamos pose de más recursos que permitan la sostenibilidad de la mejora salarial y los ingresos de los trabajadores… pic.twitter.com/tZe5BHRCzC
Grundlöhne längst nicht existenzsichernd
Der gesetzliche Mindestlohn in Venezuela liegt seit März 2022 unverändert bei 130 Bolívares monatlich – zum offiziellen Wechselkurs umgerechnet weniger als 40 US-Cent. Allein von diesem Basislohn können Beschäftigte in Venezuela nicht leben. Viele Staatsbedienstete erhalten zusätzlich Boni und andere Zulagen; laut Reuters kann das Monatseinkommen so bis zu 150 US-Dollar erreichen.
Diese Bonuszahlungen werden in Bolívares zum offiziellen Tageskurs ausgezahlt und haben laut dem venezolanischen Nachrichtenportal Efecto Cocuyo keine Auswirkungen auf Sozialleistungen wie Renten oder Abfindungen.
Wie die venezolanische Zeitung El Nacional berichtete, erklärte Rodríguez, im März seien die Bonuszahlungen bereits von 160 auf 190 US-Dollar angehoben worden – finanziert durch Einnahmen aus Ölverkäufen nach der wirtschaftlichen Öffnung gegenüber den USA. Die Regierung von Delcy Rodríguez setzt infolge der US-Militäroperation im Januar und der Entführung von Präsident Nicolás Maduro auf einen wirtschaftspolitischen Kurswechsel.
Gewerkschaften lehnen Bonussystem ab
Laut Efecto Cocuyo fordern Gewerkschaftsverbände einen Mindestlohn von 200 US-Dollar. Sie berufen sich dabei auf Übereinkommen 131 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) und verlangen eine Anhebung, die eine strukturelle Erholung der Löhne bewirkt. Zu den Unterstützern der Forderung gehören mehrere landesweite Gewerkschaftszentralen, darunter die Konföderation der Arbeiter Venezuelas (CTV), die Sozialistische Bolivarische Arbeiterzentrale (CBST) und die Autonome Gewerkschaftskonföderation (ASI).
Wie Efecto Cocuyo berichtete, versammelten sich Ende Februar Vertreter von mehr als 100 Gewerkschaftsorganisationen vor dem Arbeitsministerium in Caracas und übergaben einen 17-Punkte-Forderungskatalog.
Laut Provea, einer venezolanischen Menschenrechtsorganisation, fanden am 13. März in allen 23 Bundesstaaten Proteste statt. In der Hauptstadt Caracas versuchte die Nationalpolizei, den Marsch zu blockieren. Dennoch erreichten die Demonstranten das Parlamentsgebäude und übergaben ihre Forderungen an Abgeordnete.
Gewerkschaftsvertreter Gregorio Afonso, Präsident der Professorenvereinigung der Zentraluniversität Venezuelas, warnte laut Provea, die Mobilisierungen würden zunehmen, sollte die Regierung keine substanzielle Gehaltserhöhung beschließen.


