Geopolitik

Ukraine-Waffenruhe: Trump und Selenskyj geben Details zu ihrem Telefonat bekannt

In dem Gespräch zwischen dem US-Präsidenten und dem ukrainischen Präsidenten ging es vor allem um das Trump-Putin-Telefonat vom Vortag. Wie sind die Reaktionen der beiden Staatschefs?

Vor zwei Wochen eskalierte das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump (re.) und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus.
Vor zwei Wochen eskalierte das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump (re.) und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus.Mystyslav Chernov/AP

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert, um weitere Schritte für einen Waffenstillstand mit Russland zu besprechen. Das ukrainische Staatsoberhaupt wollte wissen, wie das Gespräch zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem US-Präsidenten Donald Trump verlief. Wie der US-Präsident im Anschluss auf seiner Onlineplattform X mitteilte, habe ein Großteil der Diskussion auf dem gestrigen Gespräch mit Putin basiert.

Es ging demnach weiterhin darum, „Russland und die Ukraine hinsichtlich ihrer Wünsche und Bedürfnisse abzustimmen“. Das Telefonat sei sehr positiv verlaufen. „Wir sind auf einem guten Weg, und ich werde Außenminister Marco Rubio und den Nationalen Sicherheitsberater Michael Waltz bitten, die besprochenen Punkte genau zu beschreiben“, so Trump weiter. Diese Erklärung werde in Kürze veröffentlicht.

Selenskyj: „Wenn die Russen unsere Anlagen nicht angreifen, dann werden wir auch ihre nicht angreifen“

In einer längeren Stellungnahme dankte Selenskyj dem US-Präsidenten für „den guten und produktiven Arbeitsbeginn der ukrainischen und amerikanischen Teams am 11. März in Dschidda“. Die Gespräche in der saudi-arabischen Stadt könnten maßgeblich zur Beendigung des Krieges beitragen. Die Ukraine habe ihre Bereitschaft zur Umsetzung einer 30-tägigen Feuerpause für gegenseitige Angriffe auf Energieanlagen bestätigt, erklärte der ukrainische Präsident auf der Onlineplattform X.

„Wenn die Russen unsere Anlagen nicht angreifen, dann werden wir definitiv auch ihre Anlagen nicht angreifen“, sagte Selenskyj kurz zuvor bei einem Treffen mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb. Er fügte hinzu, dass die Feuerpause für Energieanlagen von den USA überwacht werden muss. Nur die Erklärung des russischen Präsidenten, er habe seinem Militär den Beschuss untersagt, reicht ihm nicht aus. Er warnte davor, Russland in den Verhandlungen zu weit entgegenzukommen. Bei der Hilfe für sein Land sollten „keine Zugeständnisse gemacht werden“.

Trump schlägt bedingungslosen Waffenstillstand an der Front zu

Trump schlug laut der Erklärung auf X einen bedingungslosen Waffenstillstand an der Frontlinie vor. Diese habe die Ukraine ebenfalls akzeptiert. „Wir sind überzeugt, dass solche Schritte notwendig sind, um die Vorbereitung eines umfassenden Friedensabkommens während des Waffenstillstands zu ermöglichen“, betonte Selenskyj. Außerdem habe er Trump einen Überblick über die Lage auf dem Schlachtfeld und die Folgen der russischen Angriffe gegeben. „Wir sprachen über die Lage in der Region Kursk, die Freilassung von Kriegsgefangenen und die Rückkehr ukrainischer Kinder, die von russischen Streitkräften entführt worden waren.“ Es sei zudem darüber gesprochen worden, wie die ukrainische Luftabwehr verstärkt werden kann, um die Zivilbevölkerung zu schützen.

Kiew will russische Besetzung ukrainischer Gebiete niemals anerkennen

Putin und Trump hatten am Vortag telefoniert. Der Kremlchef lehnte dabei einen sofortigen und vollständigen Waffenstillstand in der Ukraine ab, erklärte sich jedoch bereit, 30 Tage lang die Energieinfrastruktur des Landes nicht anzugreifen.

Technische Details sollen bei einem weiteren Treffen am Sonntag in Saudi-Arabien besprochen werden. Selenskyj sagte dazu, dass dabei vor allem über die Infrastruktur, Energie und die Sicherheit der Schifffahrtswege gesprochen werden. „Von unserer Seite werden definitiv Militärs, Ingenieure und Experten für Hafeninfrastruktur dabei sein“, sagte er. Auf die Frage nach den roten Linien in zukünftigen Gesprächen mit Russland bekräftigte Selenskyj, dass Kiew die russische Besetzung ukrainischer Gebiete niemals anerkennen werde. Er lehnte zudem jegliche Diskussion mit Moskau über die Größe des ukrainischen Militärs ab.

Nach dem Telefonat zwischen Trump und Putin veröffentlichte der Kreml eine Erklärung, in der er die vollständige Einstellung ausländischer Militärhilfe und des Geheimdienstaustauschs mit der Ukraine als „Schlüsselbedingung zur Vermeidung einer Eskalation des Krieges“ forderte. Selenskyj warnte, dass die Unterbrechung des US-Geheimdienstes die Ukraine blind für russische Raketenbedrohungen machen würde. „(Putin) will, dass wir nichts von diesen Angriffen erfahren, damit unsere Bevölkerung nicht in den Luftschutzbunker geht. Das alles signalisiert die Fortsetzung des Krieges“, sagte Selenskyj und drängte auf anhaltende Unterstützung für das belagerte Land.

Nach Putin-Trump-Telefonat: Russische Drohnen greifen Energieanlangen an

Selenskyj erklärte zudem, das Versprechen Putins, die Energieinfrastruktur nicht anzugreifen, stehe „im völligen Widerspruch zur Realität“, nachdem es nächtliche Drohnenangriffe im ganzen Land gegeben hatte. „Sogar gestern Abend, nach Putins Gespräch mit Trump, als Putin sagte, er habe angeblich den Befehl gegeben, die Angriffe auf ukrainische Energieversorgungsanlagen einzustellen, wurden über Nacht 150 Drohnen gestartet, darunter auch auf Energieanlagen“, sagte Selenskyj auf einer Pressekonferenz in Helsinki mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb.

Trumps Sondergesandter Steve Witkoff sagte daraufhin, dass diese Angriffe eingeleitet wurden, bevor der russische Präsident die Kreml-Streitkräfte zum Rückzug auffordern konnte. „Präsident Putin erließ innerhalb von zehn Minuten nach seinem Telefonat einen Befehl, in dem er die russischen Streitkräfte anwies, keine ukrainische Energieinfrastruktur anzugreifen. Und alle Angriffe der letzten Nacht hätten auch vor diesem Befehl stattgefunden“, sagte Witkoff in einem Interview mit Bloomberg Television.

Witkoff sagte, russische Beamte hätten ihm am Mittwochmorgen mitgeteilt, sieben ihrer Drohnen seien unterwegs gewesen, als Putin seinen Befehl erteilte, und seien von russischen Streitkräften abgeschossen worden. Die Schilderung des Gesandten deckte sich mit den in Erklärungen des Kremls und des russischen Verteidigungsministeriums beschriebenen Ereignissen. Er sagte, nach seinem „Verständnis“ seien Energieanlagen und Infrastruktur seit Mittwoch für Angriffe gesperrt.