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Lithium-Abbau: Ukraine erteilt Investoren mit engen Trump-Verbindungen Zuschlag

Die Ukraine vergibt eines der größten Lithiumprojekte an Investoren mit Trump-Verbindungen. Unter den Geldgebern ist Ronald Lauder, der Trump einst die Idee eines Grönland-Kaufs nahelegte.

Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geben sich auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach die Hand. Das Treffen am 29. Dezember 2025 diente Gesprächen über ein Ende des Ukraine-Kriegs.
Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj geben sich auf Trumps Anwesen Mar-a-Lago in Palm Beach die Hand. Das Treffen am 29. Dezember 2025 diente Gesprächen über ein Ende des Ukraine-Kriegs.Alex Brandon/AP

Die Ukraine hat einem Konsortium mit engen Verbindungen zum Umfeld von US-Präsident Donald Trump den Zuschlag für den Abbau eines der größten staatlichen Lithiumvorkommen des Landes erteilt. Das berichtete die New York Times unter Berufung auf zwei Mitglieder einer ukrainischen Regierungskommission, die anonym bleiben wollten.

Zu den Investoren gehört demnach der Milliardär Ronald S. Lauder, der Trump seit dem Studium kennt und ihm einst die Idee nahegelegt haben soll, das rohstoffreiche Grönland zu kaufen. Der Milliardär ist Erbe des Estée-Lauder-Konzerns und Präsident des Jüdischen Weltkongresses sowie Vorsitzender der Auschwitz-Birkenau Memorial Foundation. In dieser Funktion trat er auch bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz in Polen auf.

Ebenfalls beteiligt ist dem Bericht zufolge das Energieunternehmen TechMet, an dem die US-amerikanische Entwicklungsfinanzierungsagentur International Development Finance Corporation beteiligt ist. Die Entscheidung der Kommission bedarf noch der formalen Zustimmung des ukrainischen Kabinetts, gilt nach Angaben der Insider jedoch als praktisch besiegelt.

Darum sucht die Ukraine Nähe zum Umfeld von Trump

Die Kommissionsmitglieder erklärten der New York Times, das Konsortium habe im Ausschreibungsverfahren die meisten Kriterien erfüllt und die Konkurrenz ausgestochen. Vorwürfe einer Begünstigung wiesen sie zurück. Zugleich ordnet die Zeitung die Vergabe politisch ein: Kiew pflege gezielt Kontakte zu Investoren aus dem Umfeld der Trump-Regierung, um sich in einer Phase laufender Friedensverhandlungen mit Russland die Unterstützung Washingtons zu sichern.

Ronald Steven Lauder bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 2025 in Brzezinka bei Oświęcim in Polen.
Ronald Steven Lauder bei der Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau am 27. Januar 2025 in Brzezinka bei Oświęcim in Polen.Jakub Porzycki/imago

Seit Trumps Rückkehr ins Amt habe das Verhältnis zwischen den USA und der Ukraine zunehmend einen geschäftlichen Charakter angenommen, schreibt die New York Times. Washington habe einen Großteil der Militärhilfe gestoppt und konzentriere sich stärker auf Investitionschancen und Waffenverkäufe. Die ukrainische Führung reagiere darauf mit Angeboten für lukrative Projekte in der Rohstoffförderung und der Rüstungsindustrie.

Das jetzt vergebene Projekt betrifft das Dobra-Lithiumfeld in der Zentralukraine, eines der größten bekannten Lithiumvorkommen des Landes. Es soll im Rahmen eines Produktionsbeteiligungsvertrags erschlossen werden, bei dem die Investoren die Förderung übernehmen und die Erlöse mit dem ukrainischen Staat teilen.

Rohstoffabkommen mit den USA als Türöffner

Bereits im vergangenen Frühjahr hatte Kiew ein umfassendes Rohstoffabkommen mit den USA geschlossen, das die gemeinsame Nutzung zahlreicher strategischer Bodenschätze vorsieht, darunter auch Metalle der Seltenen Erden, sowie Projekte im Bereich Öl und Gas. Der jetzt vergebene Zuschlag für das Dobra-Lithiumfeld gilt als Pilotprojekt unter diesem Abkommen. In einen gemeinsamen US-ukrainischen Investitionsfonds sollen 50 Prozent der staatlichen Einnahmen aus dem Lithiumprojekt fließen. Nach Einschätzung der New York Times stärkt diese Konstruktion gezielt amerikanische Geschäftsinteressen. Brisant ist dabei, dass die US-Behörde, die den Fonds beaufsichtigt, zugleich an dem Unternehmen TechMet beteiligt ist.

Wie viel Geld Lauder und TechMet konkret in das Projekt investieren wollen, sei noch offen. Die Ausschreibung setzte ein Mindestvolumen von 179 Millionen US-Dollar fest, ein Mitglied der Kommission sprach laut New York Times jedoch von einer deutlich höheren Zusage. Bis tatsächlich Lithium gefördert wird, dürfte es dennoch lange dauern. Branchenexperten rechnen mit einem Zeitraum von bis zu 15 Jahren von der Erkundung bis zur kommerziellen Produktion – weit über die laufende Amtszeit Trumps hinaus.