Ukrainekrieg

Nach Schlag gegen russische Bomberflotte: Ukraine und Russland verhandeln heute in Istanbul

Der Ukraine war am Sonntag ein schwerer Schlag gegen russische Kampfflugzeuge gelungen. Welchen Einfluss hat der Angriff auf die direkten Gespräche in der Türkei?

Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow leitete bereits bei der ersten Verhandlungsrunde im Mai die ukrainische Delegation.
Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow leitete bereits bei der ersten Verhandlungsrunde im Mai die ukrainische Delegation.Ramil Sitdikov/imago

Unterhändler der Ukraine und Russlands sollen am Montag in Istanbul zu einer zweiten Verhandlungsrunde über eine Waffenruhe zusammenkommen. Beide Regierungen hatten am Sonntag die Entsendung von Verhandlungsdelegationen in die türkische Metropole bekanntgegeben. Die ukrainische Delegation wird nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj wie schon bei dem vorherigen direkten Treffen mit der russischen Seite vor rund zwei Wochen von Verteidigungsminister Rustem Umerow geleitet.

Es wird erwartet, dass beide Seiten über ihre jeweiligen Memoranden für eine Beendigung des Kriegs sprechen werden. Die Ukraine will Russlands Eingabe nun in Istanbul begutachten, nachdem sie ihr Dokument Russland bereits vorab übergeben hatte. Bislang passen die Vorstellungen über die Bedingungen zur Beendigung des Krieges kaum zusammen. Laut Selenskyj hat die russische Seite noch kein Memorandum vorgelegt. „Wir haben es nicht, die türkische Seite hat es nicht, und die amerikanische Seite hat das russische Dokument auch nicht“, schrieb er am Vorabend der Gespräche auf der Plattform X.

Ukraine gelang Schlag gegen Russlands strategische Bomberflotte

Angesichts des beispiellosen Angriffs des ukrainischen Geheimdienstes SBU auf Russlands strategische Bomberflotte am Sonntag könnten die Karten in Istanbul neu gemischt werden. Kiew dürfte damit auch ein Zeichen der Stärke gesetzt haben wollen. Selenskyj sprach am Sonntag von einem „brillanten Ergebnis“. Die Moskauer Reaktion auf den Verlust einer größeren Zahl an Flugzeugen steht noch aus.

Attackiert wurden nach ukrainischen Angaben Stützpunkte in den Regionen Iwanowo, Rjasan und Murmansk im europäischen Teil Russlands, Irkutsk in Sibirien und Amur im Fernen Osten. Das russische Verteidigungsministerium bestätigte, dass in den Regionen Murmansk und Irkutsk Flugzeuge durch Drohnenangriffe in Brand geraten seien. Die kleinen ferngesteuerten Fluggeräte waren demnach in Holzkisten auf Lastwagen versteckt, deren Fahrer sie nichtsahnend an die Militärgelände heranfuhren. Dort öffneten sich die LKW-Dächer automatisch, und die FPV-Drohnen begannen ihre Attacke.

Nach SBU-Angaben wurden mehr als 40 Kampf- und Aufklärungsflugzeuge zerstört – etwa 34 Prozent der russischen Bomber, die in der Lage sind, Marschflugkörper abzusetzen. Diese Zahlen waren bislang nicht unabhängig überprüfbar, Fotos und Videos zeigten jedoch beschädigte und zerstörte Kampfflugzeuge der Typen Tupolew Tu-95 und Tu-22. Mit Raketen, die von solchen Flugzeugen starten, hat Russland wiederholt die Ukraine beschossen. Anderthalb Jahre Vorbereitung waren laut Selenskyj dem ukrainischen Angriff vorausgegangen.

Delegationen Russlands und der Ukraine hatten am 16. Mai zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren direkte Gespräche geführt. Bei dem Treffen in Istanbul hatte es jedoch keine Fortschritte in Richtung einer Waffenruhe gegeben. Beide Seiten einigten sich lediglich auf einen Gefangenenaustausch, der inzwischen abgeschlossen wurde. (mit AFP/dpa)