Rüstung

Ukraine entwickelt Kamikaze-See-Drohnen: Einsatz auch in der Straße von Hormus denkbar

Kiew treibt die Entwicklung maritimer Drohnen voran. Präsident Selenskyj spricht von neuen Systemen und möglichen Anwendungen auch außerhalb des Ukraine-Kriegs.

Ein ukrainischer Soldat des Verteidigungsnachrichtendienstes bereitet den Start der Langstreckendrohne vor.
Ein ukrainischer Soldat des Verteidigungsnachrichtendienstes bereitet den Start der Langstreckendrohne vor.Evgeniy Maloletka/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat neue Fortschritte bei der Entwicklung maritimer Drohnen angekündigt. In einer Rede vor dem britischen Parlament erklärte er an Dienstag, die Ukraine arbeite weiter an bewaffneten Systemen, die künftig auch unter Bedingungen auf offener See eingesetzt werden könnten.

„Schon bald – und nicht in ferner Zukunft – werden wir Systeme haben, die auch in ozeanischen Bedingungen operieren können“, sagte Selenskyj am Dienstag in London. Parallel werde auch an Unterwasser-Drohnen gearbeitet.

Die Ukraine hat seit Beginn des Krieges ihre Fähigkeiten im Bereich unbemannter Systeme deutlich ausgebaut. Selenskyj verwies darauf, dass die Entwicklung von einfachen, ferngesteuerten See-Drohnen ausgegangen sei. Inzwischen gebe es Modelle, die schwerbewaffnet seien und sogar Luftziele bekämpfen könnten.

Nach Darstellung des Präsidenten umfasst das Arsenal inzwischen auch Drohnenboote, die andere Drohnen transportieren oder Ziele an Land angreifen können. Zudem werde an stabileren Systemen gearbeitet, die länger im Einsatz bleiben könnten. Unabhängig überprüfen lassen sich Details zu den genannten Fähigkeiten nicht.

Der britische Premierminister Keir Starmer (l-r), der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Nato-Generalsekretär Mark Rutte verlassen die Downing Street 10.
Der britische Premierminister Keir Starmer (l-r), der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Nato-Generalsekretär Mark Rutte verlassen die Downing Street 10.Thomas Krych/AP

Die Ukraine setzt maritime Drohnen bereits im Krieg gegen Russland ein. Unbemannte Überwasserfahrzeuge wurden wiederholt gegen Kriegsschiffe und Ziele im Schwarzen Meer eingesetzt. Ukrainischen Angaben zufolge konnten damit auch größere Einheiten beschädigt werden. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Erfolge im Detail meist nicht. Diese Technologie sei nun weiterentwickelt worden.

Ukraine-Drohnen für andere Krisenregionen

Die entwickelten Technologien könnten laut Selenskyj auch bei Sicherheitsfragen in anderen Regionen eingesetzt werden, etwa in der Straße von Hormus.

Selenskyj erklärte in seiner Rede vor dem britischen Parlament, die Ukraine habe auf Anfrage von Partnern – darunter auch die Vereinigten Staaten – mehr als 200 Drohnenexperten in die Golfregion entsandt. Die Teams sind seinen Angaben zufolge in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Saudi-Arabien im Einsatz, weitere Fachleute stehen bereit. Ziel sei es, Partnerländer bei der Abwehr iranischer Schahed-Drohnen zu unterstützen. Die Ukraine verfüge über entsprechende Systeme und könne täglich Tausende Abfangdrohnen produzieren.

Nach Angaben der britischen Regierung sollen Drohnentechnologien zusammen mit der Ukraine weiterentwickelt und perspektivisch international vermarktet werden.

Ausbau der Zusammenarbeit mit Großbritannien

Selenskyj war am Dienstag zu einem Arbeitsbesuch in London. Dort traf er unter anderem Premierminister Keir Starmer. Beide Seiten vereinbarten eine Vertiefung der Zusammenarbeit im Sicherheits- und Verteidigungsbereich. Zudem präsentierte Selenskyj ein digitales System zur Echtzeitüberwachung von Luftangriffen und Gefechten. Ein entsprechendes Gerät übergab er demonstrativ an König Charles III., um die Zusammenarbeit zu unterstreichen.