Die Ukraine hat Spezialeinheiten des Militärs in fünf Staaten des Nahen Ostens und der Golfregion entsandt, um dort bei der Abwehr iranischer Drohnenangriffe zu helfen. Wie Präsident Wolodymyr Selenskyj am Freitag mitteilte, sind 228 ukrainische Fachleute in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Katar, Kuwait und Jordanien im Einsatz. Weitere Staaten, darunter die USA und europäische Partner, hätten ebenfalls um Unterstützung gebeten.
„Ich glaube, niemand hat eine mit unserer vergleichbare Erfahrung", sagte Selenskyj laut Reuters gegenüber Journalisten. Die Ukraine verfüge nach mehr als vier Jahren russischer Invasion über umfangreiche Praxis in der Abwehr von Kamikaze-Drohnen. Russland habe seit Beginn des Angriffskriegs fast 60.000 Shahed-Drohnen und ähnliche Systeme auf die Ukraine abgefeuert.
Der Sekretär des Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsrates, Rustem Umerow, der in dieser Woche alle fünf Länder besucht hatte, erklärte auf Telegram, die ukrainischen Einheiten schützten dort zunächst zivile und kritische Infrastruktur. Die Einsatzgebiete würden derzeit ausgeweitet. Mit jedem der fünf Staaten seien weitere Schritte für eine langfristige Sicherheitskooperation skizziert worden.
Selenskyj machte laut Reuters jedoch auch deutlich, dass Kiew für seine Hilfe eine Gegenleistung erwartet: Geld und Technologie. Seit einem Jahr versucht die Ukraine, ein Drohnen-Kooperationspaket mit Washington im Wert von bis zu 50 Milliarden US-Dollar abzuschließen. Im Gegenzug würde Kiew die im Krieg entwickelten Drohnentechnologien teilen – darunter Seedrohnen und Langstreckendrohnen, so Selenskyj.
Spannungen mit Washington bei Drohnenkooperation
Das Verhältnis zwischen Kiew und Washington in dieser Frage bleibt allerdings angespannt. US-Präsident Donald Trump wies das ukrainische Hilfsangebot vergangene Woche öffentlich zurück. „Nein, wir brauchen ihre Hilfe bei der Drohnenabwehr nicht“, sagte Trump im Radiosender Fox News. Selenskyj erklärte dennoch im Onlinedienst X am Freitag, dass Teams aus Kiew und Washington am Wochenende in den USA über ein umfassendes Drohnenabkommen und bilaterale Dokumente verhandeln würden.
Obwohl die Golfstaaten über hochentwickelte US-amerikanische Luftabwehrsysteme verfügen, sind deren Abfangraketen knapp und um ein Vielfaches teurer als die iranischen Shahed-Drohnen. Die Ukraine produziert kostengünstige und kampferprobte Abfangdrohnen, die diese Lücke schließen könnten.
Selenskyj betonte zudem, die Ukraine prüfe eine mögliche Rolle bei der Sicherung der Straße von Hormus – einer für den globalen Öl- und Gashandel zentralen Meerenge. Die Stabilisierung der Region um den Iran hat globale Auswirkungen auf die Energiemärkte und damit auf die Preise in Europa und der Ukraine.
Die Ukraine produziert bereits gemeinsam mit Deutschland, Großbritannien, Dänemark und den Niederlanden Drohnen; eine Zusammenarbeit mit Norwegen werde aufgebaut. Gleichzeitig lenkt der seit dem 28. Februar eskalierende Nahostkonflikt die internationale Aufmerksamkeit vom Krieg in der Ukraine ab.


