Bei Temperaturen von minus 13 Grad Celsius kämpfen zehntausende Rettungskräfte darum, Strom und Heizung in der ukrainischen Hauptstadt wiederherzustellen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte bereits am Montagabend, dass allein in Kiew mehr als eine Million Haushalte ohne Strom seien. Über 4000 Wohngebäude hätten zudem keine Heizung. Der vierte Kriegswinter trifft die Ukraine besonders hart.
Die Internationale Atomenergiebehörde teilte mit, dass mehrere für die nukleare Sicherheit kritische Umspannwerke getroffen wurden. Auch das stillgelegte Atomkraftwerk Tschernobyl verlor vorübergehend die externe Stromversorgung. Außenminister Andrij Sybiha kritisierte: „Während russische Beamte über die ‚Wichtigkeit‘ von Stromleitungen sprechen, greifen ihre Streitkräfte gezielt Umspannwerke an und gefährden damit direkt die nukleare Sicherheit.“
Friedensgespräche ohne Wirkung auf russische Angriffe
Der Angriff mit mehr als 330 Drohnen und fast drei Dutzend Raketen erfolgte nur wenige Tage nach neuen Friedensgesprächen zwischen US-amerikanischen und ukrainischen Vertretern. In Davos bezeichneten Gesandte von US-Präsident Donald Trump und Russlands Präsident Wladimir Putin ihr Treffen als „sehr positiv“ und „konstruktiv“.
Selenskyj forderte die USA auf, mehr Druck auf Moskau auszuüben. „Kann Amerika mehr tun? Ja, und wir wollen das wirklich“, sagte er gegenüber Reportern von Reuters. Er wies darauf hin, dass einige der am Dienstag abgefeuerten Raketen erst in diesem Jahr produziert worden seien, und verlangte schärfere Sanktionen gegen Russlands Rüstungsproduktion.
Humanitäre Notlage bei eisigen Temperaturen
Vize-Premierminister Oleksij Kuleba berichtete, dass 68 Reparaturtrupps in Kiew im Einsatz seien. Mehr als 1.400 Notfallstationen ermöglichten es Bewohnern, sich aufzuwärmen und elektronische Geräte aufzuladen. In der nördlichen Region Tschernihiw waren 87 Prozent der Bevölkerung ohne Strom.

