Afrika

„Souveräner Staat“: Tschad bestreitet, die Rückkehr amerikanischer Soldaten erlaubt zu haben

Vor fünf Monaten forderte der Tschad die amerikanischen Truppen auf, das Land zu verlassen. Jetzt kündigt ein Pentagon-Beamter an, dass sie zurückkehren. N’Djamena dementiert.

27. Februar 2017: Regierungs- und Militärbeamte der USA und des Tschad nehmen an der Eröffnung der Spezialeinsatzübungen Flintlock teil.
27. Februar 2017: Regierungs- und Militärbeamte der USA und des Tschad nehmen an der Eröffnung der Spezialeinsatzübungen Flintlock teil.Sgt. Derek Hamilton/DVIDS

Die Regierung des Tschad hat bestritten, grünes Licht für die Rückkehr amerikanischer Soldaten gegeben zu haben, nur wenige Monate nachdem sie aufgefordert worden waren, das Land zu verlassen. Ende letzter Woche gab Generalmajor Kenneth Ekman, der den jüngsten Rückzug der USA aus Niger beaufsichtigte, in einem Interview mit Voice of America bekannt, dass Washington und N’Djamena sich auf die Rückkehr einer begrenzten Anzahl von Spezialkräften geeinigt hätten.

„Wir haben Ende April etwa 70 US-Spezialkräfte abgezogen. Das geschah auf ihren Wunsch. Sie haben uns gebeten, zu gehen“, sagte Ekman und fügte hinzu, dass der Tschad nach den Wahlen im Mai wegen der künftigen Zusammenarbeit auf die USA zugegangen sei. „Wir hatten dort zuvor ein Hauptquartier, aber wir haben eine Vereinbarung über die Rückkehr einer begrenzten Anzahl von Spezialkräften getroffen. Es ist eine Entscheidung des Präsidenten.“

Generalmajor Kenneth P. Ekman, hier auf der Luftwaffenbasis 101, koordinierte den Abzug der amerikanischen Truppen aus Niger.
Generalmajor Kenneth P. Ekman, hier auf der Luftwaffenbasis 101, koordinierte den Abzug der amerikanischen Truppen aus Niger.Tech. Sgt. Christopher Dyer

Auf Nachfrage des öffentlichen französischen Radiosenders RFI zum Thema wies der Außenminister des Tschad die Informationen jedoch aufs Schärfste zurück: „Wir hatten keinerlei militärischen Kontakt und dementieren diese Informationen kategorisch. [...] Wir haben mit der US-Regierung nicht über die Rückkehr ihrer Truppen in den Tschad gesprochen“, sagte Abderamane Koulamallah. In einer Pressemitteilung, die vom Radiosender zitiert wird, betont die tschadische Regierung, dass es „wichtig ist, sich daran zu erinnern, dass der Tschad als souveräner Staat weiterhin Herr seiner Entscheidungen in Fragen der nationalen Sicherheit und der militärischen Zusammenarbeit mit seinen internationalen Partnern ist“.

Die Regierung des Tschad hatte die 70 bis 75 im Land anwesenden amerikanischen Soldaten kurz vor den Präsidentschaftswahlen abrupt zum Verlassen des Landes aufgefordert. Ihre Mission bestand in der „Unterstützung von Antiterroroperationen in der Sahelzone und der Tschadsee-Region“. Wie Medien in den USA betonen, gab es zum Zeitpunkt ihrer Abreise keine Anzeichen dafür, dass dies nur vorübergehend sein würde. 

Abzug der USA aus Niger und die neue Afrika-Strategie

Erst letzte Woche gaben die USA und der Niger bekannt, dass der Abzug der amerikanischen Streitkräfte aus dem afrikanischen Land abgeschlossen sei. Im vergangenen Sommer hatte das Militär in Niger den Präsidenten Mohamed Bazoum gestürzt; die Militärjunta, die die Macht übernahm, hatte die amerikanische Militärpräsenz dort für illegal erklärt.

Nach dem Militärputsch hatten die USA im April zugestimmt, ihre 1000 verbliebenen Soldaten aus Niger abzuziehen. Am Donnerstag hat der Kommandeur des U.S. Africa Command (Africom), General Michael E. Langley vom Marine Corps, verkündet, dass der Abzug „ohne Zwischenfälle“ verlaufen sei. Nun werden amerikanische Truppen in Teilen Westafrikas neue Positionen beziehen, wobei der Schwerpunkt auf der Terrorismusbekämpfung liegen werde, so Langley. Dies geschehe in Abstimmung mit „gleichgesinnten“ Staaten, darunter Benin, Côte d’Ivoire und Ghana.