Afrika

Niger: Abzug der US-Armee abgeschlossen

Es ist offiziell: Nach zehn Jahren haben die letzten US-Truppen das westafrikanische Land verlassen. Nach einem Militärputsch wandte sich Niger Russland zu.

Africom-Kommandeur Michael E. Langley hat seine Truppen aus dem Niger abgezogen und verfolgt nun eine neue Strategie in Westafrika. 
Africom-Kommandeur Michael E. Langley hat seine Truppen aus dem Niger abgezogen und verfolgt nun eine neue Strategie in Westafrika. Fadel Senna/AFP

Das US-Verteidigungsministerium und das Verteidigungsministerium der Republik Niger haben bekannt gegeben, dass der Abzug der US-Streitkräfte aus dem afrikanischen Land abgeschlossen ist. Der Prozess hatte am 19. Mai nach der gegenseitigen Festlegung der Abzugsbedingungen begonnen.

Die US-Streitkräfte mit samt Ausrüstung wurden zunächst am 7. Juli von der Air Base 101 in Niamey abgezogen, ab dem 5. August folgten die Soldaten der Air Base 201 in Agadez. Nun hat auch das aus einem Zwei-Sterne-General und seinem Stab Koordinierungsteam des U.S. Africa Command (Africom) den Niger verlassen.

Nach Staatsstreich: Niger wendet sich Russland zu

In den vergangenen zehn Jahren haben die US-Truppen die nigrischen Streitkräfte ausgebildet und Antiterroreinsätze gegen den Islamischen Staat und Al-Qaida in der Region unterstützt. Der Niger galt bis zu einem Staatsstreich als einer der letzten Verbündeten in der Region im Kampf gegen Dschihadisten und Extremismus.

Am 26. Juli 2023 wurde der demokratisch gewählte Präsidenten Mohamed Bazoum gestürzt. Militärs übernahmen die Macht im Land, und erklärten die amerikanische Präsenz für illegal. Etwa 1100 US-Soldaten hielten sich bis zu diesem Zeitpunkt im Niger auf, ein erst vor sechs Jahren fertiggestellter US-Luftwaffenstützpunkt hatte über 100 Millionen Euro gekostet.

Nach der Machtübernahme wandte sich der Niger verstärkt Russland zu, woraufhin die frühere Vereinbarung über eine militärische Zusammenarbeit mit den USA beendet wurde. Russland schickte bereits im April dem Niger ein Flugabwehrsystem und 100 Militärausbilder. Militärpersonal des russischen Verteidigungsministeriums sollte das System installieren und die einheimischen Soldaten im Umgang damit schulen, berichtete der staatliche nigrische Sender RTN.

USA verfolgen eine neue Strategie in Afrika

Nach ihrem Abzug aus dem Niger richten die USA ihre Truppen in Westafrika neu aus. Nun werden amerikanische Truppen neue Positionen beziehen, wobei der Schwerpunkt auf der Terrorismusbekämpfung liegen werde, sagte der Africom-Kommandeur Michael E. Langley vor wenigen Tagen. Die USA werden ihre Truppen auf dem Kontinent in Abstimmung mit „gleichgesinnten“ Staaten, darunter Benin, der Elfenbeinküste und Ghana, neu positionieren.

In den drei oben genannten Ländern haben mit dem IS und mit Al-Qaida verbundene Gruppen „Metastasen gebildet“, so Langley, der von Stuttgart aus mit Journalisten sprach. „Wir befinden uns in Konsultationen, um zu entscheiden, welche Kapazitäten sie benötigen, um erfolgreich Terrorismus bekämpfen zu können.“ Das Wall Street Journal berichtete letzte Woche, dass ein Team der US-Spezialeinheiten bereits in Benin im Einsatz sei und dort die Truppen berate.