Wie der Bayerische Rundfunk unter Berufung auf eine Quelle aus Kreisen der US-Armee berichtet, soll das 2nd Cavalry Regiment, eine sogenannte Stryker-Brigade, aus den Rose Barracks in Vilseck abgezogen werden. Die Einheit auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr stand bereits 2020 vor einer Verlegung – damals verhinderte erst die Wahlniederlage Donald Trumps gegen Joe Biden den Abzug.
Geschlossen wird der Standort nicht. Mindestens 8000 Soldaten bleiben in Grafenwöhr dauerhaft stationiert. Die US-Armee hatte zuletzt erheblich in den Standort investiert: Das U.S. Army Corps of Engineers, Europe District, errichtet derzeit gemeinsam mit USAG Bavaria 36 neue Wohnhäuser für Soldatenfamilien, darunter 17 Doppelhäuser mit drei oder vier Schlafzimmern pro Haushälfte. Die Fertigstellung war für den Sommer, der Einzug bis Jahresende geplant. Es handelt sich um die dritte Bauphase eines Familienwohnungsprojekts, in dessen Rahmen in den vergangenen Jahren bereits knapp 50 neue Häuser samt Gemeinschaftseinrichtungen entstanden sind.
Vilsecks neuer Bürgermeister: „Das trifft uns hart“
Für Thorsten Grädler (EHB-FW), den neuen Ersten Bürgermeister der 6500-Einwohner-Stadt Vilseck, fällt die Nachricht auf seinen ersten Amtstag. „Sehr emotional, ja. Ist schon heftig. Also, das trifft uns hart“, sagte Grädler. Er kündigte an, „alles Menschenmögliche in die Wege“ leiten zu wollen, um die Entscheidung möglicherweise noch abzuwenden.
In und am Südlager des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr leben rund 5000 US-Soldaten, mit Familienangehörigen sind es über 10.000 Amerikaner. Der Bürgermeister verweist auf eine wirtschaftliche Monostruktur, die die Kleinstadt nun hart treffen werde.
Verteidigungsminister Boris Pistorius hingegen sprach sich dafür aus, die Lage nicht vorschnell zu bewerten. „Das muss man in Ruhe einordnen, es kommt nicht wirklich überraschend, vielleicht der Zeitpunkt“, sagte der SPD-Politiker bei einem Truppenbesuch im niedersächsischen Munster. Wenn am Ende 5000 Soldaten aus Deutschland abgezogen werden würden, dann „wäre das so“. Die Fähigkeiten der Nato würde es nicht schmälern.
Reaktion auf Streit zwischen Trump und Merz
Hintergrund des Abzugs ist eine Drohung von US-Präsident Donald Trump, die auf Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am US-Krieg gegen den Iran folgte. Das zuvor monatelang als gut beschriebene Verhältnis zwischen beiden hatte sich zuletzt verschlechtert.
Bei einer Diskussion mit Schülern hatte Merz erklärt, die USA könnten den Krieg nicht schnell beenden, „weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben“. Trump reagierte auf Truth Social mit einem persönlichen Angriff: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht!“
Bayerische Standorte gelten als entbehrlich
Für die US-Streitkräfte ist der Abzug aus der Oberpfalz nach Einschätzung von Beobachtern verschmerzbar. In Europa unterhalten die USA seit Jahrzehnten Dutzende große Militärstützpunkte, die etwa bei Einsätzen im Nahen Osten als Drehkreuze dienen. Zu den strategisch wichtigsten Standorten in Deutschland zählen das US-Oberkommando für Europa in Stuttgart sowie der Luftwaffenstützpunkt Ramstein in Rheinland-Pfalz.
Thomas Erndl, verteidigungspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, zeigte sich im Interview mit Bayern 2 nicht überrascht. „Es liegt doch sehr nahe, dass die Amerikaner nicht dort reduzieren, wo sie Stationierungsorte haben, die für ihren eigenen Betrieb und ihre Machtprojektion von besonderer Bedeutung sind, wie Ramstein. An bayerischen Standorten sind sie da zum Üben. Und da ist es wahrscheinlich einfacher zu reduzieren“, so Erndl.


