Ukrainekrieg

Trump will ukrainische Kraftwerke übernehmen: Was steckt dahinter?

Trump schlägt als Sicherheitsgarantie vor, ukrainische Atomkraftwerke unter Kontrolle der USA zu stellen. In Kiew ist nur von einem AKW die Rede. Worum geht es?

Ein russischer Soldat bewacht im Mai 2022 einen Bereich des AKW Saporischschja in der Ukraine.
Ein russischer Soldat bewacht im Mai 2022 einen Bereich des AKW Saporischschja in der Ukraine.AP/dpa

Einen Tag nach seinem Telefonat mit Wladimir Putin hat US-Präsident Donald Trump am Mittwoch mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj telefoniert. Es war ihr erstes Gespräch nach dem viel berichteten Eklat im Weißen Haus, es dauerte etwa eine Stunde und Trump bezeichnete es als „sehr gut“. Nach Angaben des Weißen Hauses wurde auch über eine mögliche Verwaltung ukrainischer Atomkraftwerke durch die USA gesprochen. Selenskyj stellte später klar, dass die beiden Präsidenten lediglich eine mögliche US-Kontrolle über das AKW Saporischschja im Süden der Ukraine besprochen hätten.

In einer Stellungnahme von US-Außenminister Marco Rubio und Trumps Nationalem Sicherheitsberater Mike Waltz hieß es, der US-Präsident habe mit Selenskyj darüber gesprochen, dass die USA beim Betrieb der Atomkraftwerke „mit ihrem Fachwissen in den Bereichen Elektrizität und Energieversorgung sehr hilfreich sein könnten“. Nach Darstellung der US-Regierung wären diese Anlagen und die ukrainische Energieinfrastruktur insgesamt am besten vor künftigen russischen Angriffen geschützt, wenn die Kraftwerke im Besitz der USA wären.

In einem Interview mit Fox News wurde der US-Energieminister gefragt, ob ein solches Vorgehen Soldaten vor Ort in der Ukraine erfordern würde. „Wir haben in den Vereinigten Staaten immenses technisches Know-how, um diese Kraftwerke zu betreiben. Ich glaube nicht, dass das einen Militäreinsatz vor Ort erfordert“, sagte Chris Wright. Wenn ein solcher Schritt „hilfreich“ wäre, um Frieden in der Ukraine zu erreichen, fügte er hinzu, „kein Problem, das können wir tun“.

Ukrainischer Politologe: Trump und Musk wurden von ukrainischen Abgeordneten auf AKW Saporischschja angesprochen

Derweil behauptet der ukrainische Politologe und Berater des Außenministeriums in Kiew, Wolodymyr Fesenko, zu wissen, wie Trump auf die Idee gekommen sei, ukrainische Kraftwerke, einschließlich AKW Saporischschja, zu besitzen. „Vor etwa anderthalb Monaten hörte ich eine Geschichte darüber, wie einer unserer Abgeordneten – ein großartiger Chefunterhändler, fast wie Trump – geheime Verhandlungen mit Giuliani (Anm.d.Red.: Staranwalt, früherer Bürgermeister von New York und Trump-Verbündeter Rudy Giuliani) begann, um an Trump und Elon Musk heranzukommen“, schrieb Fesenko auf Facebook. „Und da dieser Abgeordnete viel über Geschäfte weiß, hat er sich einen genialen Plan ausgedacht. Er beschloss, Trump und Elon Musk die Idee eines gemeinsamen Eigentums am AKW Saporischschja vorzuschlagen, um es an die Ukraine zurückzugeben und es dann im amerikanischen und ukrainischen Interesse für Krypto-Mining oder als leistungsstarkes Energiezentrum für künstliche Intelligenz zu nutzen“, so Fesenko weiter.

Die ukrainische Regierung hat sich bisher nicht zu den Äußerungen Fesenkos über die angeblichen Ursprünge des US-Vorschlags geäußert. Die Ukraine hat derzeit die Kontrolle über drei der Kernkraftwerke im Land, während Russland das vierte in Saporischschja 2022 erobert hat und bis heute besetzt hält. Ob das größte AKW Europas eine Rolle in künftigen Sicherheitsvereinbarungen spielen könne, hänge davon ab, „ob wir es zurückbekommen und wieder in Betrieb nehmen können“, sagte Selenskyj am Mittwoch gegenüber der Financial Times. Der ukrainische Präsident erklärte, er prüfe mit Washington, „ob es eine Vereinbarung geben könnte, dass die USA [das Kraftwerk] zurückholen könnten“.