Nahost

Bericht: Trump will Iran-Einsatz beenden – Öffnung der Straße von Hormus keine Priorität

Donald Trump erwägt einem Medienbericht zufolge, den Militäreinsatz gegen den Iran bald zu beenden. Die strategisch wichtige Meerenge bei Hormus könnte dabei vorerst geschlossen bleiben.

US-Präsident Donald Trump
US-Präsident Donald TrumpAlex Brandon/dpa

US-Präsident Donald Trump ist laut einem Bericht des Wall Street Journal bereit, den militärischen Konflikt mit dem Iran auch dann zu beenden, wenn die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet wird. Regierungsvertreter sagten der Zeitung, Washington nehme in Kauf, dass Teheran die Kontrolle über die wichtige Handelsroute vorerst behält.

In internen Beratungen sei Trump zu dem Schluss gekommen, dass ein militärischer Vorstoß zur Öffnung der Meerenge den Einsatz deutlich verlängern würde. Ein solcher Schritt würde über den ursprünglich angepeilten Zeitraum von vier bis sechs Wochen hinausgehen. Stattdessen wolle die US-Regierung ihre wichtigsten militärischen Ziele erreichen und anschließend die Kämpfe herunterfahren.

Rubio: Militäroperation „innerhalb von Wochen“ beendet

Dazu zählt nach Angaben von Regierungsvertretern vor allem, die iranische Marine zu schwächen sowie Raketenarsenale und militärische Infrastruktur zu beschädigen. Die Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs durch die Meerenge soll demnach zunächst auf diplomatischem Weg erreicht werden. Sollte das scheitern, könnten Verbündete in Europa und am Golf stärker in die Verantwortung genommen werden.

US-Außenminister Marco Rubio sagte dem Sender Al Jazeera, die laufende Militäroperation werde „innerhalb von Wochen“ abgeschlossen sein. Danach stelle sich die Frage der Straße von Hormus neu. „Dann wird es am Iran liegen zu entscheiden“, sagte Rubio. Alternativ könne eine internationale Koalition unter Beteiligung der USA die Öffnung erzwingen.

Widersprüchliche Signale aus Washington

Trump äußerte sich in den vergangenen Wochen mehrfach unterschiedlich zur Bedeutung der Meerenge. Einerseits drohte er öffentlich damit, iranische Energieinfrastruktur anzugreifen, falls die Route nicht wieder geöffnet werde. Andererseits erklärte er wiederholt, die Blockade sei vor allem ein Problem für andere Staaten.

Am Montag erklärte Trump dann, die Vereinigten Staaten führten Gespräche mit einem „vernünftigeren Regime“ im Iran, um ein Ende der Militäraktionen zu erreichen. Zugleich aber drohte er Teheran mit Angriffen auf zivile Infrastruktur. Sollte es keine Einigung geben und die Straße von Hormus nicht wieder geöffnet werden, könnten die USA nach seinen Worten Öl- und Energieanlagen sowie weitere Einrichtungen wie Entsalzungsanlagen für die Trinkwasserversorgung „in die Luft jagen und vollständig zerstören“.

Trump hatte den Einsatz zeitweise als „Ausflug“ und „schönen Aufenthalt“ bezeichnet. Innerhalb der US-Regierung werden laut Reuters verschiedene Szenarien geprüft. Dazu zählt neben einem möglichen Zugriff auf die Insel Kharg, über die rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte abgewickelt werden, auch ein Einsatz von Bodentruppen zur Sicherung der Schifffahrt in der Straße von Hormus oder zur Bergung hochangereicherten Urans. Solche Szenarien würden ein Vordringen amerikanischer Truppen auf iranisches Territorium bedeuten. So wurden zuletzt unter anderem die USS „Tripoli“ und eine Marineeinheit entsandt, zusätzlich wurden Tausende Soldaten der 82. Luftlandedivision in den Nahen Osten entsendet.

Kritik an Trumps Kurs

Die Iran-Expertin Suzanne Maloney von der Denkfabrik Brookings Institution kritisierte die Überlegungen scharf. Ein Ende der militärischen Operationen ohne Öffnung der Meerenge sei „unglaublich verantwortungslos“, sagte sie dem Wall Street Journal. „Energiemärkte sind global, und es gibt keine Möglichkeit, die USA vor den wirtschaftlichen Schäden zu schützen, die bereits eintreten und sich weiter verschärfen werden“, erklärte Maloney.

Auch andere Experten gehen davon aus, dass der Konflikt ohne eine Lösung für die Straße von Hormus weiter schwelen wird. Solange der Iran die Passage kontrolliert, bleibt ein zentraler Hebel gegenüber dem Welthandel bestehen.

Globale Wirtschaft unter Druck

Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt. Rund 20 Prozent des globalen Ölangebots werden nach Angaben der US-Energiebehörde über diese Meerenge transportiert. Ein längerer Stillstand trifft vor allem Länder in Asien, die den Großteil der Lieferungen beziehen. Seit der Schließung der Meerenge und den Schäden an Exportanlagen in Katar fehlen dem Weltmarkt rund 28 Millionen Tonnen Flüssigerdgas. Nach Einschätzung von Analysten könnte diese Lücke über Jahre bestehen bleiben.

Die Folgen treffen grundsätzlich alle Energieimporteure, allerdings unterschiedlich stark. Als besonders anfällig gelten Deutschland, Taiwan und der US-Bundesstaat Kalifornien. In allen drei Fällen habe eine energiepolitische Ausrichtung unter starkem Einfluss von Umweltbewegungen die Verwundbarkeit erhöht, berichtet die Washington Post.

Bereits jetzt zeigen sich wirtschaftliche Folgen. Der Preis für US-Öl stieg auf über 100 US-Dollar pro Barrel – erstmals seit 2022. Einige Analysten halten sogar Preise von bis zu 200 US-Dollar für möglich, sollte die Blockade anhalten.

Auch Industrien geraten unter Druck. Lieferengpässe bei wichtigen Rohstoffen wie Düngemitteln oder Helium beeinträchtigen Produktion und Landwirtschaft in mehreren Ländern.

Iran beschließt Mautgebühren für Straße von Hormus

Regierungsvertreter betonen, dass militärische Optionen zur Öffnung der Route weiterhin geprüft werden. Diese hätten derzeit jedoch keine Priorität. Stattdessen setzt Washington zunächst auf diplomatischen Druck. Finanzminister Scott Bessent sagte dem Sender Fox News, langfristig könne die USA gemeinsam mit Partnern den freien Schiffsverkehr sichern. Denkbar seien etwa militärische Begleiteinsätze für Tanker. Eine kurzfristige Lösung kündigte er jedoch nicht an.

Mehrere Staaten, darunter Großbritannien, Frankreich und Kanada, erklärten bereits ihre Bereitschaft, sich an Maßnahmen zur Sicherung der Passage zu beteiligen.

Ob es dazu kommt, hängt maßgeblich von Teheran ab. Der Iran hatte die Meerenge nach Beginn der Angriffe vermint und Tanker angegriffen. Seither ist der Schiffsverkehr stark eingeschränkt. Wie in der Nacht zum Dienstag bekannt wurde, billigte ein Parlamentsausschuss im Iran die Erhebung von Gebühren für Schiffe, welche die Straße von Hormus passieren wollen.