Persischer Golf

Trump fordert Nato-Beteiligung in der Straße von Hormus: Berlin erteilt Absage

Der US-Präsident macht die iranische Blockade der Meerenge zur Bündnisfrage. Er fordert militärische Beiträge mehrerer Staaten und erhöht auch den Druck auf Peking.

US-Präsident Donald Trump erhöht im Streit um die Straße von Hormus den Druck auf Verbündete und andere große Abnehmer von Energie aus der Golfregion.
US-Präsident Donald Trump erhöht im Streit um die Straße von Hormus den Druck auf Verbündete und andere große Abnehmer von Energie aus der Golfregion.Abaca/imago

US-Präsident Donald Trump hat die Blockade der Straße von Hormus zu einer Bündnisfrage erklärt. In einem Interview mit der Financial Times drohte er den Nato-Verbündeten mit einer „sehr schlechten“ Zukunft der Allianz, sollten sie die USA bei der Öffnung der strategisch zentralen Meerenge nicht militärisch unterstützen.

Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) hat sich am Montag in Brüssel skeptisch zu einer möglichen Nato-Mission zur Sicherung der Straße von Hormus geäußert. Er sehe derzeit nicht, dass die Nato dafür zuständig werden könne. Zunächst müsse klar sein, wann Israel und die USA ihre militärischen Ziele im Iran erreicht sehen, sagte er laut AFP.

Erst danach könne in einer nächsten Phase eine Sicherheitsarchitektur für die Region definiert und über weitere Maßnahmen entschieden werden. Zudem betonte Wadephul, dass grundsätzlich alle ein Interesse daran hätten, die Freiheit der Seeschifffahrt zu gewährleisten.

Griechenland wird sich laut Reuters nicht an möglichen militärischen Operationen in der Straße von Hormus beteiligen. Ein Regierungssprecher erklärte am Montag, dass Athen keine Kampfmissionen in der Region plane.

Laut Financial Times forderte Trump zudem namentlich China, Großbritannien und Japan sowie weitere Staaten zu militärischer Unterstützung wie Minensuchern und Luftabwehr auf, um die Durchfahrt durch die Meerenge zu sichern.

Es ist das bislang deutlichste Signal Washingtons, dass die Krise am Persischen Golf nicht als regionale Angelegenheit betrachtet wird. Trump richtete sich gezielt an Staaten, die in besonderem Maße vom Öl- und Gastransport durch die Wasserstraße zwischen Iran und Oman abhängen.

Im Fall Chinas stellte Trump laut AP ein mögliches Verschieben eines geplanten Treffens mit Präsident Xi Jinping in den Raum. Peking zählt zu den größten Abnehmern von Rohöl aus der Golfregion und wäre von einer dauerhaften Sperrung wirtschaftlich massiv betroffen.

Australien und Japan wollen keine Kriegsschiffe entsenden

Besonderer Druck lastet laut Financial Times auf der japanischen Premierministerin Sanae Takaichi, die Trump zur Entsendung von Kriegsschiffen aufforderte. Wie der Guardian berichtet, haben sowohl Australien als auch Japan derzeit keine Pläne, Marineschiffe in die Region zu entsenden. Beide Länder lehnten eine Beteiligung an einer solchen Mission zunächst ab. Ob London oder Peking auf die Forderungen reagiert haben, war zunächst nicht bekannt.

Durch die rund 50 Kilometer breite Wasserstraße wird nach Branchenschätzungen etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls transportiert. Die Meerenge verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und dem offenen Indischen Ozean. Die Ölpreise zogen laut Financial Times weiter an, Privatanleger stiegen verstärkt in spekulative Ölwetten ein.

Druck auf Verbündete und Ölmärkte

Laut Financial Times könnten iranische Seeminen die Blockade der Meerenge zusätzlich verschärfen. Der Iran kontrolliert die nördliche Küste der Meerenge und damit eine der verwundbarsten Stellen des globalen Energiehandels.

Trump machte laut AP klar, dass er eine einseitige Lastentragung der Vereinigten Staaten nicht hinnehmen werde. Die Sicherung internationaler Seewege sei eine gemeinsame Aufgabe aller Staaten, die vom freien Handel durch die Meerenge profitierten.

Konkrete Zeitpläne für ein koordiniertes militärisches Vorgehen nannte der US-Präsident nicht. Auch blieb offen, welche konkreten Konsequenzen den Nato-Partnern drohen, sollten sie der Aufforderung nicht nachkommen.