Der Iran-Krieg zwingt immer mehr Staaten zu direkten Gesprächen mit Teheran über die Sicherheit der internationalen Schifffahrt. Laut einem Bericht der Financial Times haben Frankreich und Italien diplomatische Gespräche mit dem Iran aufgenommen, um eine sichere Passage ihrer Handelsschiffe durch die Straße von Hormus zu erreichen.
Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman gilt als eine der wichtigsten Energierouten der Welt. Ein großer Teil des globalen Öl- und Flüssiggastransports verläuft normalerweise durch die Passage. Seit Beginn des Krieges ist der Schiffsverkehr dort jedoch stark eingeschränkt, zahlreiche Tanker warten auf sichere Durchfahrt. Handelsschiffe werden zudem zunehmend Ziele von Angriffen. Ihr Schutz könne derzeit nicht gewährleistet werden.
US-Energieminister Chris Wright sagte am Donnerstag dem Sender CNBC, die US-Marine sei derzeit noch nicht in der Lage, Öltanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren. „Es wird relativ bald passieren, aber im Moment geht es nicht. Wir sind schlicht nicht bereit“, erklärte er. US-Präsident Donald Trump hatte Anfang des Monats angekündigt, die Marine werde „so bald wie möglich“ mit der Begleitung von Tankern beginnen.
Nach Informationen der Financial Times versuchen die Regierungen von Frankreich und Italien nun, Garantien für europäische Handelsschiffe zu erreichen. Ziel der Gespräche sei es, eine sichere Passage für Tanker und Frachtschiffe zu ermöglichen, ohne den Konflikt militärisch weiter zu eskalieren. Eine offizielle Bestätigung der Gespräche gab es zunächst nicht.
Diplomatie statt Eskorte: Staaten verhandeln über Hormus-Passage
Die Initiative aus Europa ist nicht der einzige diplomatische Vorstoß. Auch Indien bemüht sich derzeit um eine Vereinbarung mit dem Iran über sichere Schifffahrtsrouten. Medienberichten zufolge hat Teheran indisch beflaggten Tankern eine freie Passage durch die Straße von Hormus zugesichert. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unter Berufung auf eine indische Regierungsquelle, dass der Iran entsprechende Zusagen nach einem Telefonat der Außenminister beider Länder gemacht habe.
Die Times of India berichtete zudem von erfolgreichen Durchfahrten indischer Schiffe. Eine iranische Quelle außerhalb des Landes widersprach jedoch und erklärte, eine solche Vereinbarung sei nicht zustande gekommen.
Bloomberg zufolge führen Indien und Iran derzeit zumindest „intensive Gespräche“ über die sichere Passage indischer Tankschiffe. Demnach geht es um mehr als 20 Tanker, die mit Rohöl, Flüssiggas und verflüssigtem Erdgas beladen seit Beginn des Krieges in der Region feststecken.
Straße von Hormus zentral für Energiehandel
Indiens Außenamtssprecher Randhir Jaiswal bestätigte am Donnerstag, dass Außenminister Subrahmanyam Jaishankar in den vergangenen Tagen mehrfach mit seinem iranischen Amtskollegen Seyed Abbas Araghtschi gesprochen habe. Bei dem jüngsten Gespräch sei es um „Fragen der Schifffahrtssicherheit und der Energiesicherheit Indiens“ gegangen.
Die diplomatischen Kontakte zeigen, wie stark der Krieg zwischen dem Iran und seinen Gegnern inzwischen auch den globalen Energiehandel beeinflusst. Sollte die Straße von Hormus länger blockiert bleiben, drohen weitere Turbulenzen auf den internationalen Öl- und Gasmärkten.


