Rund 6000 US-Soldaten und 9500 Soldaten aus weiteren Nato-ländern werden ab Ende April an einer groß angelegten multinationalen Militärübung in acht europäischen Ländern teilnehmen. Das gab das US-Kommando für Europa und Afrika (USAREUR-AF) am Donnerstag bekannt. Sie werde abgehalten, um „das anhaltende Engagement für kollektive Verteidigung und Sicherheit“ zu demonstrieren.
Die Übung mit dem Namen „Sword 26“ soll der Ankündigung zufolge bis in den Mai hinein andauern und erstreckt sich über Estland, Deutschland, Italien, Litauen, Norwegen, Polen sowie die jüngsten Nato-Mitglieder Finnland und Schweden.
Im Mittelpunkt stehen die Verteidigung der Nordflanke und des Baltikums sowie der Test moderner Technologien wie KI-gestützter Führungssysteme, domänenübergreifender Operationen und Drohnenabwehrsysteme. Mehr als 1000 militärische Ausrüstungsgegenstände kommen zum Einsatz – von Drohnen bis hin zu Patriot-Flugabwehrsystemen, wie der polnische Sender TVP World berichtete.
„Sword 26 testet unsere Kampfkraft und unsere Fähigkeit, Daten und KI-gestützte Kriegsführung im großen Maßstab gemeinsam mit Nato-Verbündeten einzusetzen“, erklärte General Christopher Donahue, Kommandeur von USAREUR-AF.
Die Übung ist eine Weiterentwicklung der bisherigen „Defender“-Übungsreihe. Die Umbenennung spiegelt laut USAREUR-AF einen strategischen Wandel wider: Statt die Verlegung von Truppen aus den USA nach Europa zu proben, sollen nun bereits in Europa stationierte Kräfte die regionalen Nato-Verteidigungspläne überprüfen.
Getestet wird dabei auch die sogenannte „Eastern Flank Deterrence Initiative" (EFDI) – ein Konzept, das die Nato als Reaktion auf Russlands Einmarsch in die Ukraine 2022 entwickelt hat. Es setzt auf unbemannte Systeme, Echtzeit-Datenvernetzung und schnellere Entscheidungsfindung, um zahlenmäßig überlegenen Gegnern entgegenzuwirken.
Trump sprach erst kürzlich über Nato-Austritt
Die Ankündigung fällt in eine Phase wachsender Unsicherheit über das langfristige Engagement der USA in Europa. Erst wenige Tage zuvor hatte US-Präsident Donald Trump in einem Interview mit der britischen Zeitung The Telegraph erklärt, er erwäge ernsthaft einen Austritt der USA aus der Nato. Als Grund nannte er den Ärger über Verbündete, die sich weigerten, US-Militäroperationen im Iran zu unterstützen. Trump bezeichnete das Bündnis als „Papiertiger“ und sagte, ein Austritt gehe „über eine bloße Erwägung hinaus“.
Hintergrund ist unter anderem der Konflikt um die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten Öls transportiert werden. Der Iran hat die Meerenge faktisch blockiert, was die globalen Energiepreise in die Höhe trieb. Nato-Partner wie Großbritannien zeigten sich zurückhaltend bei der Unterstützung einer Wiedereröffnung.
Zusätzlich forderte der republikanische Senator Lindsey Graham, ein Verbündeter Trumps, eine Neubewertung der US-Truppenstationierung in Europa. Er schlug vor, Stützpunkte aus Spanien abzuziehen, da das Land US-Operationen nicht unterstütze, und Truppen in „den USA freundlicher gesinnte Länder“ zu verlegen. Derzeit sind zwischen 80.000 und 100.000 US-Soldaten in Europa stationiert.


