Die USA und Südkorea haben am Montag ihr jährliches Großmanöver „Freedom Shield“ gestartet. Die Übung findet statt, während die Vereinigten Staaten gleichzeitig einen eskalierenden Krieg im Nahen Osten führen und Nordkorea seine militärischen Machtdemonstrationen verstärkt, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet.
Rund 18.000 südkoreanische Soldaten nehmen laut dem südkoreanischen Generalstab an dem Manöver teil, das bis zum 19. März andauert. Die US-Streitkräfte in Korea nannten keine Zahl amerikanischer Teilnehmer. Auch Mitgliedstaaten des United Nations Command sollen Personal entsenden. Vertreter Schwedens und der Schweiz beobachten die Übung als neutrale Aufsichtskommission, wie aus einer Pressemitteilung der US-Streitkräfte in Korea hervorgeht.
Die Übung sei „defensiver Natur“ und umfasse computergestützte Simulationen sowie Feldübungen, erklärten die US-Streitkräfte. Ziel sei es, die gemeinsame Einsatzfähigkeit und Kampfbereitschaft zu stärken. Allerdings wurde die Zahl der begleitenden Feldübungen von 51 im Vorjahr auf 22 reduziert.
Nordkorea wertet Manöver als Probe für Invasion
In südkoreanischen Medien wird spekuliert, Washington wolle militärische Ausrüstung – darunter Patriot-Flugabwehrsysteme – aus Südkorea in den Nahen Osten verlegen, um den Krieg gegen den Iran zu unterstützen. Die US-Streitkräfte lehnten eine Stellungnahme zu konkreten Truppenbewegungen ab. Südkoreanische Regierungsvertreter erklärten laut AP, die gemeinsame Verteidigungsfähigkeit werde dadurch nicht nennenswert beeinträchtigt.
Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un dürfte das Manöver mit scharfer Rhetorik beantworten. Pjöngjang bezeichnet die gemeinsamen Übungen seit Langem als Proben für eine Invasion. Auf einem Parteikongress im Februar nannte Kim Südkorea den „feindlichsten Gegner“ seines Landes und schloss dessen Zerstörung nicht aus, wie die New York Post berichtet. Gleichzeitig ließ er die Tür für Gespräche mit Washington einen Spalt offen – unter der Bedingung, dass die USA ihre Forderung nach einer Denuklearisierung Nordkoreas als Gesprächsvoraussetzung fallen lassen, so AP.
Südkorea will Beziehung zu Nordkorea verbessern
Südkoreas Präsident Lee Jae-myung strebt eine diplomatische Annäherung an Pjöngjang an. Berichten zufolge schlug er eine Verkleinerung der Feldübungen vor, wurde von den USA jedoch abgewiesen. Einige seiner engsten Berater setzen darauf, dass ein möglicher China-Besuch von US-Präsident Donald Trump Ende März oder April einen Gesprächskanal nach Pjöngjang öffnen könnte.
Nordkorea verfügt Schätzungen des US Naval Institute zufolge über bis zu 50 Atomsprengköpfe und genug spaltbares Material für bis zu 90 weitere. Kim besichtigte erst vergangene Woche einen 5000-Tonnen-Zerstörer und ließ einen Raketentest durchführen, wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA meldete.


