In Mittel- und Osteuropa haben am Montag zahlreiche Orte weiter unter den Folgen von Überschwemmungen gelitten. In Österreich, Tschechien, Polen und Rumänien kamen bis Montag mindestens 17 Menschen in den Fluten ums Leben. Die deutschen Behörden boten den betroffenen Ländern technische Unterstützung an und behielten die Hochwasser-Lage an Oder und Elbe im Auge.
In Deutschland war die Lage noch vergleichsweise gemäßigt, die Pegel der Elbe in Sachsen stiegen aber weiter an. An einigen Flüssen in Brandenburg könnte es ebenfalls in den kommenden Tagen zu Überschwemmungen kommen. Zuletzt stiegen die Pegelstände auch an Oder und Neiße weiter an.
Das Sturmtief „Anett“, das international „Boris“ genannt wird, sorgt in den Ländern seit Freitag für sintflutartige Regenfälle und Überschwemmungen. Ganze Städte und Dörfer standen dort unter Wasser, die Feuerwehren mussten zu Tausenden Einsätzen ausrücken.
Bruch von Staudamm hält polnische Rettungskräfte in Atem
Nach dem Bruch eines Staudamms im Schneegebirge an Polens Grenze zu Tschechien verschärfte sich die Situation in der polnischen Kleinstadt Klodzko am Sonntag weiter. Eine neue Flutwelle habe den Ort erreicht, sagte Bürgermeister Michal Piszko der Nachrichtenagentur PAP. Die Glatzer Neiße, ein Nebenfluss der Oder, habe nun bei Klodzko einen Pegelstand von 6,84 Meter. Üblich ist ein durchschnittlicher Wasserstand von etwa einem Meter, wie ein Sprecher der Feuerwehr der Deutschen Presse-Agentur sagte. Im Dorf Krosnovice unweit von Klodzko kam nach Polizeiangaben ein Mann ums Leben.
Videos, die am Sonntag in den sozialen Medien kursierten, zeigten, wie Wassermassen nach dem Dammbruch durch die Straßen fließen. Die Polizei habe einen Rettungshubschrauber in die Gegend geschickt, um vom Wasser eingeschlossene Menschen in Sicherheit zu bringen. Auch Soldaten der Armee und des Heimatschutzes seien im Einsatz.
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Der polnische Regierungschef Donald Tusk, der am Wochenende in den Hochwassergebieten im Südwesten seines Landes unterwegs war, kündigte weitere Evakuierungen sowie die Einrichtung des Internet-Satelliten-Systems Starlink an, um die Kommunikation zu gewährleisten. Die polnische Regierung kündigte unterdessen Soforthilfen in Höhe von mindestens einer Milliarde Zloty (230 Millionen Euro) an. „Wir haben vorerst eine Reserve von einer Milliarde Zloty für die von den Überschwemmungen betroffenen Orte und Menschen bereitgestellt“, gab Ministerpräsident Donald Tusk in Warschau bekannt.
Im Südwesten Polens hat das Hochwasser des Flusses Biala die Wälle und Dämme in den Städten Glucholazy und Ladek Zdroj überflutet. „Wir gehen unter“, sagte der Bürgermeister von Glucholazy und rief die Einwohner auf, sich in Sicherheit zu bringen. Tausende Menschen mussten evakuiert werden. Die Behörden riefen die Armee zur Hilfe, um die Feuerwehren vor Ort zu unterstützen. Der Zugverkehr zwischen Polen und Tschechien wurde eingestellt, wie die polnische Nachrichtenagentur PAP berichtete. Der polnisch-tschechische Grenzübergang Golkowice war schon am Samstag geschlossen worden.
„Dramatische Situation“ in Österreich: Evakuierungen und Zugausfälle
In Niederösterreich kam am Sonntag ein Feuerwehrmann bei Auspumparbeiten ums Leben, wie Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner mitteilte. Das Bundesland, das die Hauptstadt Wien umschließt, ist in Österreich am schlimmsten von den Fluten betroffen. Am Sonntag wurde ganz Niederösterreich zum Katastrophengebiet erklärt. Die Armee war unterstützend im Einsatz, mehrere Menschen mussten aus Häusern gerettet werden.
Mikl-Leitner sprach am Sonntagvormittag von einer „dramatischen Situation“. Es gebe noch keine Entwarnung. Laut der österreichischen Nachrichtenagentur APA waren zahlreiche Ortschaften auf dem Landweg nicht mehr erreichbar. Im Osten Österreichs wurde der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Amstetten und St. Valentin unterbrochen, wie die staatliche Eisenbahngesellschaft ÖBB mitteilte. Die Strecke ist Teil der Bahnverbindung zwischen Wien und Deutschland. Auch in der österreichischen Hauptstadt standen erste Häuser unter Wasser. Dort trat der Wienfluss über die Ufer. Es wurden mehrere U-Bahn-Strecken gesperrt.

In Österreich sorgten auch Sturm und Schnee für Chaos. Tirol war stellenweise von einer bis zu einem Meter hohen Schneeschicht bedeckt – in der vergangenen Woche waren noch Temperaturen von mehr als 30 Grad gemessen worden.
Hunderttausende Haushalte in Rumänien ohne Strom
Auch in Rumänien liefen die Rettungsarbeiten am Sonntag auf Hochtouren, dort waren hunderttausende Haushalte ohne Strom. In Rumänien waren bereits am Samstag mindestens vier Menschen in der Region Galati im Südosten des Landes ums Leben gekommen. Dort standen Menschen bis zum Oberkörper im Wasser, tausende Haushalte waren betroffen. Präsident Klaus Iohannis sprach von „dramatischen Folgen“ des Klimawandels.
Fluten reißen vier Menschen in Tschechien fort
In Tschechien wurden am Sonntag vier Menschen von den Fluten weggerissen und gelten als vermisst. Die Polizei berichtete, drei Menschen seien in einem Auto in der Stadt Lipova-Lazne im Nordosten des Landes von einem Fluss weggeschwemmt worden. Ein Mann wurde demnach im Südosten vom Hochwasser eines Baches fortgerissen.
Die Lage in Tschechien ist besonders im Nordosten des Landes schlimm. Dort wurde ein großer Teil der Stadt Opava wegen Hochwassers evakuiert. Im Süden des Landes lief ein Staudamm über und überflutete die Städte und Dörfer der Umgebung. In Brno im Südosten Tschechiens war schon am Samstag ein Krankenhaus evakuiert worden, die nordöstliche Region Mähren erklärte den Notstand. In der slowakischen Hauptstadt Bratislava wurde am Samstag ebenfalls der Notstand erklärt.



