Ein hartnäckiger Bürgermeister hat im niederbayerischen Ruhmannsfelden einen mutmaßlichen Rentenbetrug aufgedeckt, der ohne seinen Verdacht womöglich nie ans Licht gekommen wäre. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Polizeibeamte die stark mumifizierte Leiche einer 1922 geborenen Frau im Keller ihres Wohnhauses. Ihre 82-jährige Tochter soll über Jahre hinweg die monatliche Rente der Verstorbenen in Höhe von 1500 Euro weiter abgehoben haben, wie die Bild berichtet.
Werner Troiber (CSU), Bürgermeister des Marktes Ruhmannsfelden im Landkreis Regen, wollte der vermeintlich hochbetagten Sophie B. zu ihrem Geburtstag gratulieren – ein üblicher Brauch bei runden und hohen Geburtstagen. Doch deren Tochter Christa B. wies den Gemeindechef über Jahre hinweg konsequent ab. Bereits zum 95. Geburtstag der alten Dame versuchte Troiber, persönlich zu gratulieren. Bei drei Anläufen ließ ihn niemand ins Haus. Zum 101. und 102. Geburtstag habe die Tochter jeweils abgesagt und angegeben, ihre Mutter sei krank.
Als im Dezember zum vermeintlichen 103. Geburtstag schließlich die Auskunft kam, die Frau sei bereits zwei Jahre zuvor in Tschechien gestorben, wurde Troiber misstrauisch und informierte die Behörden. Denn wenn die Mutter tatsächlich schon seit zwei Jahren tot war, hätte die Tochter in dieser Zeit unrechtmäßig Rentenzahlungen erhalten.
Polizei findet mumifizierte Leiche bei Hausdurchsuchung
Die Staatsanwaltschaft ordnete daraufhin eine Durchsuchung des Hauses an. Die Beamten stießen dabei auf die mumifizierten Überreste der alten Frau im Keller der Doppelhaushälfte, in der Mutter und Tochter gemeinsam gelebt hatten. Wie lange die Leiche dort bereits lag, ist bislang nicht öffentlich bekannt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die 82-jährige Tochter wegen des Verdachts des Betrugs. Ein Gewaltverbrechen konnte laut Obduktion nicht festgestellt werden – die genaue Todesursache ließ sich allerdings auch nicht mehr klären.
Nachbarn sagten der Bild, sie hätten die alte Dame seit rund einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen. Sophie B. wird als freundlich, aber zurückgezogen beschrieben. Ins Haus habe sie grundsätzlich niemanden gelassen.
Die tatverdächtige Tochter hat sich nach Angaben der Ermittler inzwischen selbst in eine Fachklinik eingewiesen. Wie viel Geld sie insgesamt unrechtmäßig bezogen haben könnte, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.


