Politik

Thüringen: Arbeitspflicht für junge Bürgergeld-Empfänger kommt

Der Landrat von Nordhausen Matthias Jendricke testet eine Arbeitspflicht für Bürgergeld-Empfänger unter 25 Jahren. Der Stundenlohn liegt bei 1,20 Euro.

Der Landrat von Nordhausen in Thüringen führt eine Arbeitspflicht für junge Bürgergeld-Empfänger ein.
Der Landrat von Nordhausen in Thüringen führt eine Arbeitspflicht für junge Bürgergeld-Empfänger ein.Carsten Koall/dpa

Der Landrat Matthias Jendricke testet ein Programm, wonach alle jungen Bürgergeld-Empfänger arbeiten müssen – zunächst für drei Monate. Die Arbeitspflicht gilt für Bürgergeld-Bezieher unter 25 Jahren, die keine Ausbildung haben oder diese abgebrochen haben, wie auch die Bild berichtet.

Demnach sollen die Leistungsempfänger bis zu 40 Stunden pro Woche in Werkstätten gemeinnütziger Vereine arbeiten. Aber auch eine Aushilfstätigkeit im Bauhof oder die Pflege von Grünanlagen stehen auf dem Programm. Geld gibt es auch – 1,20 Euro die Stunde.

Wie Landrat Jendricke gegenüber der BILD erklärt, sei die Jugendarbeitslosigkeit so hoch wie lange nicht.  „Wenn einer morgens 7 Uhr nicht zur Arbeit kommt, gehen wir hin und klingeln. Viele brechen ihre Lehre ab und dann ist ihnen alles egal.“ Wir wollen den jungen Leuten nicht nur in den Hintern treten, sondern auch Unterstützung anbieten, so Jendricke. „Aber wenn wir diese Generation nicht verlieren wollen, müssen wir sie wachrütteln, bevor sie sich im Bürgergeld einnistet.“

Zur Vorstellung des Programms erschien die Hälfte erst gar nicht

Das Jobcenter suchte zunächst 220 Kandidaten im Landkreis aus. Die 60 Personen mit dem geringsten Motivationswillen wurden zu einem ersten Termin eingeladen, um das Projekt vorzustellen. Mit zum Teil stundenlanger Verspätung erschien die Hälfte von ihnen. Die 30, die gar nicht erst erschienen sind, erhielten einen Sanktionsbescheid – zunächst 10 Prozent – und werden erneut eingeladen, um sich zu erklären.

„Wir wollen jungen Menschen, die eigentlich arbeiten könnten, mehr Druck machen. Wir sagen: Geht Regale im Supermarkt einräumen, arbeitet in der Tankstelle. Dann seid ihr wieder eurer eigener Herr und habt keinen Stress mehr mit dem Amt. Alles ist besser, als zu Hause zu bleiben.“ Der SPD-Politiker sagt, dass er damit auch auf das Reformversagen der SPD in der schwarz-roten Bundesregierung reagiere.

„In meiner Partei wird ständig gepredigt, nicht zu viel am Sozialstaat zu verändern. Wir machen aber gerade bei den jungen Leuten alles falsch. Vielen fehlt der Druck aus dem Elternhaus. Der Staat muss sich schnellstmöglich durchsetzen. Das geht nur mit Sanktionen“, so der Thüringer Landrat.