Ölmarkt

Symbolischer Schritt: Opec+ erhöht trotz Hormus-Blockade ihre Förderquoten

Die Anhebung soll Geschlossenheit nach dem Austritt der Emirate zeigen. Wegen der gesperrten Straße von Hormus dürfte sie zunächst kaum greifen.

Ein Ölfeld in Saudi-Arabien
Ein Ölfeld in Saudi-ArabienAli Haider/EPA/dpa

Sieben Staaten des Ölverbunds Opec+ haben beschlossen, ihre Förderquoten im Juni um rund 188.000 Barrel pro Tag anzuheben. Das teilte die Organisation am Sonntag mit. Es ist die dritte Anhebung in Folge seit der Schließung der Straße von Hormus.

Sieben Staaten bestimmen

An der Videokonferenz nahmen laut dem Verbund Saudi-Arabien, Russland, Irak, Kuwait, Algerien, Kasachstan und Oman teil. Die Vereinigten Arabischen Emirate sind nicht mehr dabei. Sie haben den Verbund in dieser Woche verlassen. Opec+ umfasst damit noch 21 Mitglieder, darunter den Iran. Über die monatlichen Förderschritte entschieden in den vergangenen Jahren allerdings nur die genannten sieben Staaten und die Emirate.

Auch der Finanzdienst Bloomberg hatte zuvor von einer vorläufigen Einigung auf eine moderate Quotenerhöhung für Juni berichtet. Das Treffen biete dem von Saudi-Arabien geführten Verbund die Gelegenheit, nach dem Austritt der Emirate Geschlossenheit zu zeigen, schrieb Bloomberg.

Folgen der Hormus-Schließung

Praktische Wirkung dürfte die Erhöhung zunächst kaum haben. Der seit dem 28. Februar laufende Krieg zwischen den USA und dem Iran und die Schließung der Straße von Hormus haben laut Reuters die Exporte aus Saudi-Arabien, dem Irak, Kuwait und den Emiraten gedrosselt. Vor dem Krieg waren dies die einzigen Förderländer der Gruppe, die ihre Produktion überhaupt steigern konnten.

Ölmanager am Golf und internationale Händler gehen Reuters zufolge davon aus, dass die höheren Quoten weitgehend auf dem Papier bleiben, solange die Schifffahrt durch die Meerenge nicht wieder freigegeben ist. Selbst danach würde es mehrere Wochen, womöglich Monate dauern, bis sich die Lieferungen normalisierten.

Preisanstieg und Förderrückgang

Der Ölpreis ist laut Reuters wegen der Versorgungsstörungen auf ein Vier-Jahres-Hoch von mehr als 125 US-Dollar je Barrel gestiegen. Analysten rechnen demnach in einem bis zwei Monaten mit Engpässen bei Kerosin und einem Anstieg der weltweiten Inflation. Die Gesamtförderung der Opec+-Staaten lag im März laut einem Bericht der Opec, auf den sich Reuters beruft, bei durchschnittlich 35,06 Millionen Barrel pro Tag. Das war ein Rückgang um 7,70 Millionen Barrel pro Tag gegenüber Februar. Die größten Einschnitte entfielen auf den Irak und Saudi-Arabien.

Der Austritt der Emirate schwächt die Geschlossenheit der von Saudi-Arabien geprägten Ölallianz. Abu Dhabi gewinnt Spielraum für eine eigene Produktions- und Investitionspolitik, während Opec+ ein wichtiges Mitglied aus der Golfregion verliert. Offen ist, ob die Emirate ihre Förderpolitik tatsächlich rasch ändern. Politisch zeigt der Schritt aber, dass die Interessen der großen Produzenten am Golf stärker auseinanderdriften.

Mit der Anhebung will der Verbund laut Reuters auch zeigen, dass er seine Lieferungen sofort hochfahren kann, sobald der Krieg endet. Trotz des Austritts der Emirate hält Opec+ am Plan fest, die Quoten Schritt für Schritt zu erhöhen. Die sieben Staaten wollen sich laut der Förderallianz am 7. Juni erneut beraten.