Die Deutschen wären bereit, die Verteidigungsausgaben von derzeit gut zwei Prozent auf rund zwölf Prozentdes deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) anzuheben. Das geht aus einer Umfrage hervor, die das Institut Bilendi im Auftrag der TU München und der Universität Leipzig durchführte.
„Wie stark die Zustimmung zu höheren Verteidigungsausgaben ausfällt", sei eines der überraschendsten Ergebnisse, erklärte Co-Studienleiter Philipp Lergetporer. Ebenso unerwartet sei die Bereitschaft, im Gegenzug die Sozialausgaben deutlich zu reduzieren.
Sorge vor Russland treibt Umdenken
Konkret sprachen sich 59 Prozent der 1095 Befragten dafür aus, zusätzliches Geld für die Verteidigung durch Einsparungen an anderer Stelle zu gewinnen. Nur 25 Prozent bevorzugten Neuverschuldung, 16 Prozent Steuererhöhungen. Noch deutlicher: 83 Prozent plädierten dafür, den Anteil der Sozialausgaben von derzeit 41 Prozent auf etwa 26 Prozent abzusenken. Welche konkreten Sozialleistungen gekürzt werden sollten – etwa Rentenzuschüsse oder Bürgergeld – wurde allerdings nicht abgefragt.
Die Studie zeigt auch die Ursache für dieses Umdenken: Rund 62 Prozent der Befragten bereitet ein direkter militärischer Konflikt eines NATO-Landes mit Russland große Sorgen. 58 Prozent fürchten einen Konflikt Russlands mit einem Nachbarland Deutschlands. Ein Krieg auf deutschem Boden beunruhigt hingegen 42 Prozent.
„Insgesamt scheint es so, dass die jetzigen geopolitischen Konflikte zu einer deutlichen Umpriorisierung der Bedeutung unterschiedlicher Politikfelder für die Bevölkerung führen", sagte Lergetporer.
Mehrheit befürwortet mehr Soldaten für die Bundeswehr
Die Zustimmung zu konkreten Maßnahmen fällt entsprechend hoch aus: 60 Prozent befürworten mehr Soldaten für die Bundeswehr, 58 Prozent ein Eingreifen gegen hybride Kriegsführung und 55 Prozent eine gemeinsame EU-Armee. Europäische Zusammenarbeit in der Verteidigungspolitik unterstützen 67 Prozent.
Kontrovers bleibt die Wiedereinführung der Wehrpflicht mit 49 Prozent Zustimmung. Kritisch sehen die Befragten eine Aufstockung der Militärhilfen für die Ukraine: Nur 27 Prozent befürworten dies, 41 Prozent lehnen es ab.


