Nahostkrise

Straße von Hormus: Ölpreise bleiben hoch, US-Iran-Gespräche stocken

Die US-Marine hält die Blockade gegen iranische Häfen aufrecht und fängt mehrere  Tanker in asiatischen Gewässern ab. Ölpreis bleibt über 100 Dollar.

Tanker nach der Passage der Straße von Hormus im Hafen von Mumbai. Der Verkehr auf der Route bleibt ein Nervenzentrum des Ölmarkts.
Tanker nach der Passage der Straße von Hormus im Hafen von Mumbai. Der Verkehr auf der Route bleibt ein Nervenzentrum des Ölmarkts.Ashish Vaishnav/imago

Die Ölpreise haben sich am heutigen Donnerstag nach den Vortagsgewinnen kaum bewegt, während die Verhandlungen zwischen den USA und Iran weiter stocken und der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus gestört bleibt. Das berichtet Reuters unter Berufung auf Marktdaten. Brent-Rohöl gab demnach um 15 Cent auf 101,76 Dollar je Barrel nach, WTI verlor 14 Cent auf 92,82 Dollar. Am Mittwoch hatte Brent laut Reuters erstmals seit mehr als zwei Wochen wieder über der Marke von 100 Dollar geschlossen.

Der Status der zwei Wochen alten Waffenruhe bleibt laut Reuters zunächst unklar. Trump habe am Dienstag in einer einseitig wirkenden Erklärung erklärt, die USA würden die Feuerpause verlängern, bis ein iranischer Vorschlag zur Beendigung des seit zwei Monaten andauernden Krieges in Friedensgesprächen erörtert sei. Iranische Vertreter hätten einer Verlängerung jedoch nicht ausdrücklich zugestimmt und die fortgesetzte US-Seeblockade kritisiert, die Teheran selbst als Kriegshandlung wertet, berichtet Reuters.

Iran setzt Schiffe fest, Washington hält Blockade aufrecht

Iran setzte am Mittwoch zwei Schiffe in der Straße von Hormus fest, wie Reuters berichtet. Vor Kriegsbeginn Ende Februar liefen rund 20 Prozent der weltweit täglich gehandelten Öl- und Flüssiggasmengen durch die Meerenge. Die Nachrichtenagentur AP meldet, dass die Revolutionsgarden auf insgesamt drei Schiffe feuerten und die Containerschiffe MSC Francesca und Epaminondas in iranische Häfen brachten. Die Reederei Technomar erklärte gegenüber AP, die Epaminondas sei vor der Küste Omans von einem bemannten Schnellboot beschossen worden, die Brücke des Schiffes sei beschädigt.

Das Weiße Haus erklärte laut AP über Sprecherin Karoline Leavitt, die Festsetzungen verstießen nicht gegen die Waffenruhe, da es sich nicht um US- oder israelische Schiffe handele.

Parallel hält das US-Militär seine Seeblockade aufrecht. Wie Reuters  unter Berufung auf Schifffahrts- und Sicherheitsquellen berichtet, hat das US-Militär in den vergangenen Tagen mindestens drei iranisch geflaggte Tanker in asiatischen Gewässern abgefangen, darunter die voll beladene Dorena mit zwei Millionen Barrel Rohöl vor der Südküste Indiens.

Das US-Zentralkommando teilte demnach auf X mit, seit Beginn der Blockade am 13. April seien 29 Schiffe zur Umkehr oder Rückkehr in den Hafen gezwungen worden. Der iranische Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Qalibaf erklärte laut Reuters, eine vollständige Waffenruhe ergebe nur dann Sinn, wenn die Blockade aufgehoben werde.

Eine Wiederöffnung der Straße von Hormus, durch die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweiten Ölhandels lief, sei bei einem solchen „eklatanten Bruch der Waffenruhe“ unmöglich, schrieb Qalibaf laut Reuters in den sozialen Medien. „Sie haben Ihre Ziele weder durch militärische Aggression erreicht, noch werden Sie sie durch Einschüchterung erreichen“, zitierte Reuters Qalibaf aus seiner ersten Reaktion auf Trumps Ankündigung. Der Krieg hatte am 28. Februar mit gemeinsamen Angriffen der USA und Israels auf Iran begonnen.

Sinkende US-Bestände stützen die Preise

US-Präsident Donald Trump verlängerte die von pakistanischen Vermittlern angestoßene Feuerpause am Dienstag, ohne ein Enddatum zu nennen. Daten der US-Energiebehörde EIA stützten die Preise zusätzlich: Die US-Benzinbestände sanken in der Woche bis zum 17. April um 4,6 Millionen Barrel, die Lagerbestände an Diesel, Heizöl und anderen Destillaten um 3,4 Millionen Barrel – – laut Reuters stärker als erwartet.

Die Gesamtausfuhren von Rohöl und Mineralölprodukten aus den USA stiegen demnach auf einen Rekordwert von 12,88 Millionen Barrel pro Tag, da asiatische und europäische Käufer Versorgungslücken decken. EU-Energiekommissar Dan Jørgensen bezifferte die Kosten der Versorgungsstörung für die EU gegenüber AP auf rund 500 Millionen Euro pro Tag.