Ukraine-Krieg

Selenskyj erklärt russische Frühjahrsoffensive für gescheitert – Russland meldet Geländegewinne

Die Führung in Kiew spricht von einer gestoppten russischen Offensive. Gleichzeitig meldet Russlands Militärführung zwölf eroberte Ortschaften in der Ost- und Südukraine.

Russische Soldaten feuern auf eine ukrainische Drohne an einem nicht genannten Ort in der Ukraine.
Russische Soldaten feuern auf eine ukrainische Drohne an einem nicht genannten Ort in der Ukraine.Uncredited/AP

Der ukrainische Präsident sieht die strategische Offensive gestoppt, doch Russlands Militärführung meldet zwölf eroberte Ortschaften in der Ost- und Südukraine.

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach Darstellung von Präsident Wolodymyr Selenskyj die russische strategische Frühjahrsoffensive abgewehrt. Russland habe seine operativen Ziele nicht erreicht, die Verteidigungslinien hätten gehalten, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache am Montag. Er dankte den Soldaten und erklärte, der Druck sei an mehreren Frontabschnitten aufgefangen worden. Russland sei es nicht gelungen, größere Städte einzunehmen.

Moskau stellt die Lage anders dar. Russlands Generalstabschef Waleri Gerassimow erklärte laut Reuters, seine Truppen hätten in den ersten beiden Märzwochen zwölf Ortschaften in der Ukraine eingenommen. Welche Siedlungen genau betroffen sind und welche strategische Relevanz sie haben, ging aus seinen Angaben nicht hervor.

Russische Vorstöße im Raum Kostjantyniwka

Konkretere Angaben kamen von Denis Puschilin, dem von Moskau eingesetzten Verwaltungschef der besetzten Gebiete der Region Donezk. Er meldete nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS jüngste Fortschritte im Raum Kostjantyniwka. Die Stadt im zentralen Donbass gilt als eines der nächsten operativen Ziele der russischen Streitkräfte.

Das in Washington ansässige Institute for the Study of War verzeichnete in seiner Lageeinschätzung vom selben Tag russische Vorstöße im taktischen Raum Kostjantyniwka-Druschkiwka und berichtete zugleich auch über ukrainische Gegenbewegungen. Die Kartenlage des Instituts zeigt eine bewegliche Frontlinie in diesem Abschnitt. Einen operativen Durchbruch russischer Kräfte hat es demnach bislang nicht gegeben.

Gegensätzliche Darstellungen der Lage

Die unterschiedlichen Bewertungen hängen wesentlich vom Maßstab ab. Kiew wertet die Abwehr eines strategischen Durchbruchs als Erfolg, Moskau verweist auf taktische Geländegewinne auf Ortsebene. Die unabhängige Analyse legt nahe, dass Russland punktuell Terrain gewonnen hat, ohne die ukrainische Verteidigung in der Tiefe aufbrechen zu können.

Kostjantyniwka und das benachbarte Druschkiwka liegen nordwestlich des umkämpften Tschassiw Jar. Beide Städte gelten als wichtige Versorgungsknotenpunkte für die ukrainische Verteidigung in der Region. Ein Verlust würde die logistische Lage der Ukraine im zentralen Donbass erheblich verschlechtern.