Kindesmissbrauch

Schwerer Missbrauchsfall in Thüringen: Über 900 Taten und Videomaterial

In Erfurt steht ein Mann vor Gericht, der seine Stieftochter jahrelang missbraucht haben soll. Der Mann gesteht die Taten.

Der Angeklagte im Kindesmissbrauchs-Prozess in Erfuhrt sitzt neben seiner Verteidigerin.
Der Angeklagte im Kindesmissbrauchs-Prozess in Erfuhrt sitzt neben seiner Verteidigerin.Marie Frech/dpa

Vor dem Landgericht Erfurt hat ein 46-jähriger Mann aus Ilmenau zum Prozessauftakt eingeräumt, seine Stieftochter über rund sieben Jahre sexuell missbraucht zu haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehr als 900 einzelne Taten vor, die er überwiegend filmte. Der Vorsitzende Richter der Jugendschutzkammer, Holger Pröbstel, erklärte: „Dieses Verfahren sprengt alles, was die Kammer je erlebt hat.“

Zunächst wollte sich der Angeklagte nicht äußern. Aufgrund der erdrückenden Beweislage forderte der Richter jedoch ein Geständnis. „Wenn Sie den Kindern noch irgendeinen Gefallen tun wollen, dann ersparen Sie denen ihre Vernehmung“, appellierte er. Nach einer Unterbrechung räumte der Mann durch seine Verteidigerin die Vorwürfe ein.

Taten erstreckten sich von 2017 bis 2024

Laut Staatsanwaltschaft soll der Angeklagte seine 2007 geborene Stieftochter von Ende 2017 bis 2024 wiederholt missbraucht haben – in der gemeinsamen Wohnung und in einer Schule, in der er als Reinigungskraft arbeitete. Auch den jüngeren Halbbruder soll er zu sexuellen Handlungen an der Halbschwester gebracht haben.

Vor den Kindern behauptete er, die Aufnahmen im Darknet zu verkaufen, um die Familienfinanzen zu verbessern. Zudem soll er über einen Fake-Account einer minderjährigen Freundin der Stieftochter Geld für Nacktaufnahmen angeboten haben.

Über 160 Stunden kinderpornografisches Material sichergestellt

Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Dezember 2024 fanden Ermittler Tausende kinder- und jugendpornografische Dateien mit einer Videolaufzeit von über 160 Stunden. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen Hinweis aus den USA, wo Daten einer einschlägigen Plattform ausgewertet worden waren.

Die beiden Opfer treten als Nebenkläger auf und verfolgten die Anklageverlesung gemeinsam mit ihrer Mutter sichtlich mitgenommen im Gerichtssaal. Die Verhandlung soll am 14. April fortgesetzt werden. (mit dpa)