Im Fall der mutmaßlichen Vergewaltigung einer 16-Jährigen in einem Neuköllner Jugendzentrum hat das Bezirksamt personelle Konsequenzen gezogen. Die zuständige Mitarbeiterin des Jugendamts wurde freigestellt. Das bestätigte ein Sprecher des Bezirksamts Neukölln auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg berichtete zuerst.
Die Freistellung hatte sich bereits angedeutet. Jugendstadträtin Sarah Nagel (Linke) hatte vor rund zwei Wochen eine Umsetzung innerhalb des Jugendamts bekannt gegeben und weitere personalrechtliche Schritte angekündigt. Aus ihrer Sicht seien im Jugendamt „gravierende fachliche Fehler“ begangen worden. Die Maßnahme sei jedoch rechtlich nicht ohne Weiteres umsetzbar gewesen.
Auch Ermittlungen gegen Neuköllner Jugendstadträtin
Eine Jugendliche soll Ende 2025 in dem Jugendclub von anderen Jugendlichen vergewaltigt und anschließend weiter bedrängt worden sein. Die Polizei wurde jedoch weder vom Jugendzentrum noch vom zuständigen Jugendamt informiert – erst die Anzeige des Vaters am 23. Februar brachte den Fall ans Licht, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.
Über die Gründe für die unterlassene Meldung gibt es unterschiedliche Darstellungen. Im März sagte Jugendstadträtin Nagel in einem Statement: „Es gab keinerlei Versuch, die Vorwürfe zu vertuschen“. Das Jugendamt habe zunächst entschieden, nur dann eine Strafanzeige zu stellen, wenn hierfür auch das Einverständnis des Opfers vorliegt.
Das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft Berlin ermitteln inzwischen nicht nur wegen der mutmaßlichen Tat selbst. Laut Polizei wurden auch Verfahren wegen des Verdachts der Strafvereitelung und der Strafvereitelung im Amt eingeleitet. Die Vorwürfe richten sich gegen Nagel.
Darüber hinaus seien – überwiegend über die Internetwache – mehrere Hinweise auf „fehlerhaftes bzw. gegebenenfalls strafrechtlich relevantes Handeln bzw. Unterlassen“ eingegangen. Der betroffene Jugendclub ist bis auf Weiteres geschlossen.


