Die Kakaopreise an den Weltmärkten sind zuletzt spürbar gefallen, doch im Supermarktregal kommt davon wenig an – zumindest nicht bei Marken-Osterhasen. Laut einer Auswertung der Vergleichsapp Smhaggle für die Deutsche Presse-Agentur kosten Schoko-Osterhasen der großen Marken Lindt, Milka, Kinder und Ferrero je nach Größe und Marke zwischen 7 und 29 Prozent mehr als vor einem Jahr. Eigenmarken und Sonderangebote wurden bei der Analyse nicht berücksichtigt.
Besonders auffällig: Der Lindt-Goldhase in der 100-Gramm-Variante verteuerte sich im Vorjahresvergleich um 70 Cent, was einem Plus von 16 Prozent entspricht. Die kleinere 50-Gramm-Version stieg um 50 Cent beziehungsweise 18 Prozent. Hochgerechnet auf ein Kilogramm müssen Verbraucher für den wohl bekanntesten Schokohasen Deutschlands inzwischen bis zu 65 Euro bezahlen.
Langfristige Einkaufsverträge verzögern Preissenkungen
Dabei hat sich die Lage am Rohstoffmarkt eigentlich entspannt. Der von der internationalen Kakaoorganisation ICCO ermittelte Tagespreis lag Anfang März bei rund 2600 Euro pro Tonne – ein Niveau, das in etwa dem Vorkrisenjahr 2023 entspricht. Fachleute führen den Rückgang auf bessere Ernten in Westafrika, schwächere Nachfrage und ein mögliches Überangebot zurück. Supermärkte und Discounter haben bereits die Preise zahlreicher Eigenmarkenprodukte gesenkt.
Warum ziehen die Markenhersteller nicht nach? Lindt & Sprüngli erklärte auf Anfrage, dass Kakao langfristig eingekauft werde, um die Verfügbarkeit zu sichern. „Daher wird es einige Zeit dauern, bis wir die Auswirkungen niedrigerer Kakaopreise spüren werden", so das Unternehmen. Zudem seien andere Kostenfaktoren wie Nüsse und Verpackungsmaterial weiterhin hoch. „Sorgfältig abgestimmte, marktspezifische Preiserhöhungen" seien nötig, um die Qualität zu halten.
Der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie bestätigte, dass sich Rohpreisentwicklungen oft erst mit mehreren Monaten Verzögerung im Handel niederschlagen. Viele Unternehmen zahlten „weiterhin die höheren Preise, die im Laufe des Jahres 2025 vereinbart wurden". Milka-Hersteller Mondelez ließ eine Anfrage unbeantwortet.
Schokolade seit 2020 um 70 Prozent teurer
Die Preisexplosion der vergangenen Jahre hat tiefe Spuren hinterlassen. Wegen befürchteter Ernteausfälle durch Pflanzenkrankheiten und Extremwetter in Westafrika war der ICCO-Tagespreis 2024 zeitweise auf deutlich über 10.000 Euro pro Tonne geschnellt. Hersteller und Händler reichten die gestiegenen Kosten an die Kundschaft weiter. Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kostete eine Tafel Schokolade im Januar 70 Prozent mehr als noch 2020, Riegel und andere Schokoladenerzeugnisse sogar 75 Prozent mehr.
Die Folge: Verbraucher greifen seltener zu. Laut einer YouGov-Umfrage isst jeder Zweite deutlich oder etwas weniger Schokolade als vor zwei Jahren. 39 Prozent gaben an, etwa gleich viel zu konsumieren, nur fünf Prozent essen mehr.
Ostergeschäft bricht zweistellig ein
Besonders das saisonale Geschäft leidet unter der Kaufzurückhaltung. Nach Daten des Marktforschers NIQ sank die Zahl verkaufter Packungen bei Schokoladenwaren 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,8 Prozent. Bei Weihnachtsschokolade lag der Rückgang sogar bei 12 Prozent. Knapp drei Viertel der Ware ging nur über die Ladentheke, weil sie im Sonderangebot stand – ein deutlich höherer Anteil als im Vorjahr.
Die Hersteller bekommen die Zurückhaltung der Kundschaft zu spüren: Ritter Sport schrieb 2025 trotz Umsatzwachstums Verluste. Lindt & Sprüngli steigerte zwar dank höherer Preise seine Erlöse und erzielte mehr Gewinn als im Vorjahr, verkaufte aber insgesamt weniger Schokolade.
Fachleute sehen Grenzen der Preismacht
Handelsprofessor Carsten Kortum von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Heilbronn sieht die Entwicklung kritisch. „Marken können hohe Preise verlangen", sagte Kortum. Viele bekannte Hersteller hätten in den vergangenen Jahren bei Schokolade, Kaffee oder Kosmetik überproportional die Preise erhöht. Lindt-Schokolade sei inzwischen teurer als hochwertiges Frischfleisch. Kortum beobachtet einen zunehmenden Wettbewerb im Premiumsegment: „Premium funktioniert, solange der wahrgenommene Mehrwert klar höher ist als bei Alternativen."
Philipp Hennerkes, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Lebensmittelhandels, verwies auf die Doppelrolle der Marken: „Marken wie Lindt haben eine enorme Zugkraft, der Kunde verlangt sie im Supermarkt. Gleichzeitig ist die Preissensibilität weiterhin hoch." Es werde sich zeigen, wie lange Verbraucher die Preiserhöhungen noch mittragen.


