Anhaltende Störungen beim mobilen Internet in Moskau treiben die Nachfrage nach älteren Kommunikationsmitteln in die Höhe. Russische Medien berichten, dass viele Menschen wieder verstärkt zu Walkie-Talkies, Pagern oder Papierkarten greifen.
Nach Angaben des Online-Marktplatzes Wildberries & Russ stieg der Umsatz mit Walkie-Talkies zwischen dem 6. und 10. März im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Februar um 27 Prozent. Der Verkauf von Pagern für die Kommunikation mit Kunden oder Mitarbeitern legte sogar um 73 Prozent zu, berichtete das russische Wirtschaftsportal RBC.
Auch klassische Orientierungshilfen werden wieder stärker nachgefragt. Verkäufe von Straßen- und Stadtplänen haben sich teilweise mehr als verdoppelt, hieß es.
Internetausfälle in mehreren russischen Städten
Seit Tagen berichten Nutzer in Moskau und anderen russischen Städten über Probleme mit mobilem Internet und Telefonverbindungen. Webseiten und Apps ließen sich teilweise nicht laden, einige Nutzer verloren zeitweise komplett den Zugang zum Netz. Auch die britische Zeitung The Guardian berichtete über die Ausfälle.
Nach Angaben des russischen Dienstes Sboy.rf kam es insbesondere im Zentrum der Hauptstadt sowie in der Metro wiederholt zu Störungen bei mobilem Internet und Sprachverbindungen. Betroffen waren demnach auch große Mobilfunkanbieter wie MTS, Beeline, Megafon und T2.
Störungen erreichen Parlament und Wirtschaft
Die Einschränkungen erreichten zuletzt auch staatliche Einrichtungen. Abgeordnete der Staatsduma beklagten laut Medienberichten, dass in Teilen des Parlaments weder mobile Netze noch WLAN zuverlässig funktionierten. Der Kreml bestätigte Einschränkungen grundsätzlich, nannte aber keine Details. Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte laut russischen Nachrichtenagenturen, die Maßnahmen dienten der Sicherheit der Bevölkerung und würden „so lange wie nötig“ aufrechterhalten.
Die Störungen treffen auch Unternehmen. Das russische Wirtschaftsblatt Kommersant schätzt, dass die Ausfälle allein in Moskau wirtschaftliche Schäden von rund einer Milliarde Rubel pro Tag verursachen könnten.
„Whitelist“-System: Diskussion über stärkere Internetkontrolle
Menschenrechtsorganisationen und Netzexperten vermuten, dass die Behörden währenddessen neue Formen der Internetkontrolle testen könnten. Diskutiert wird ein sogenanntes „Whitelist“-System, bei dem nur noch staatlich genehmigte Webseiten und digitale Dienste erreichbar wären.
Russische Behörden hatten bereits zuvor erklärt, eine solche Liste solle nur noch „für das tägliche Leben notwendige“ Onlineangebote enthalten, etwa Lieferdienste, Marktplätze oder digitale Apotheken. Kritiker warnen, dass ein solches Modell den Zugang zum offenen Internet stark einschränken könnte.
Parallel verschärfen russische Behörden den Druck auf Kommunikationsplattformen. Ein Abgeordneter der Staatsduma erklärte laut dem Nachrichtenportal Gazeta.ru, Sicherheitsbehörden könnten künftig auch VPN-Verbindungen stärker überwachen und einschränken.
Internetausfälle sind in Russland seit Beginn des Krieges gegen die Ukraine häufiger geworden. Behörden begründen Abschaltungen häufig mit Sicherheitsmaßnahmen, etwa zum Schutz vor ukrainischen Drohnenangriffen. Nach Schätzungen der Forschungsgruppe Top10VPN lag Russland im vergangenen Jahr weltweit an der Spitze bei staatlich verursachten Internetabschaltungen.
Bereits zuvor hatte die Regierung Plattformen wie Facebook, WhatsApp und YouTube blockiert oder eingeschränkt.



