Südkorea will die Kapazitätsgrenzen für Kohlekraftwerke aufheben und die Auslastung seiner Atomreaktoren hochfahren, um die Energieversorgung angesichts der Nahostkrise zu sichern. Das teilte die regierende Demokratische Partei am Montag nach einem Krisentreffen mit, wie unter anderem die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.
Die bislang geltende Obergrenze von 80 Prozent für die Leistung von Kohlekraftwerken soll ab sofort vollständig aufgehoben werden, erklärte der Abgeordnete Ahn Do-geol laut einem Bericht des Korea Herald. Gleichzeitig soll die Auslastung der Kernkraftwerke von derzeit knapp unter 70 Prozent auf 80 Prozent gesteigert werden. Das sei durch die vorgezogene Wartung von sechs Reaktoren bis Ende Mai erreichbar, so Ahn.
Die Straße von Hormus, eine der weltweit wichtigsten Handelsrouten für Öl und LNG, ist derzeit aufgrund des Iran-Kriegs weitgehend blockiert. Südkorea ist stark auf Energieimporte angewiesen: Laut der Korea International Trade Association stammen rund 70 Prozent des Öls und 20 Prozent des Flüssigerdgases (LNG) aus dem Nahen Osten.
Strategische Ölreserven und Nachtragshaushalt
Die Regierung beschloss außerdem, innerhalb der nächsten drei Monate 22,46 Millionen Barrel Öl aus den strategischen Reserven freizugeben. Die Maßnahme folgt einer Vereinbarung der 32 Mitgliedsstaaten der Internationalen Energieagentur (IEA), insgesamt 400 Millionen Barrel auf den Markt zu bringen. Derzeit verfügt Südkorea über Ölreserven für 208 Tage und LNG-Vorräte für neun Tage, sagte Ahn laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap.
Das Industrieministerium will noch in dieser Woche die nationale Ressourcen-Warnstufe von Stufe eins auf Stufe zwei im vierstufigen Warnsystem anheben und Details zur Freigabe der Ölreserven bekanntgeben. Zudem soll bis Ende März ein Nachtragshaushalt erarbeitet und dem Parlament vorgelegt werden.
Parteichef Jung Chung-rae kündigte an, den Vorschlag zum Nachtragshaushalt innerhalb von zehn Tagen nach Einreichung im Schnellverfahren abzuschließen. Über die Höhe des Nachtragshaushalts werde noch nicht diskutiert, sagte Ahn – obwohl laut Korea Herald Spekulationen von bis zu 20 Billionen Won (rund 11,7 Milliarden Euro) kursieren.
Der Nachtragshaushalt soll unter anderem Entschädigungen für Raffinerien im Zusammenhang mit dem am Freitag eingeführten Benzinpreisdeckel von 1724 Won (ca. ein Euro) pro Liter finanzieren, Energiegutscheine für Bürger bereitstellen, Logistikkosten für Exporteure abfedern und Investitionen in erneuerbare Energien ausweiten. Seit Einführung des Preisdeckels seien die Benzinpreise um 58 Won und die Dieselpreise um 77 Won pro Liter gefallen, berichtete Ahn.

