Vietnams Luftfahrtbranche steht vor erheblichen Versorgungsengpässen bei Kerosin. Nachdem China und Thailand infolge des Iran-Kriegs ihre Treibstoffexporte gestoppt haben, hat die vietnamesische Luftfahrtbehörde die Airlines des Landes angewiesen, sich ab April auf mögliche Flugstreichungen vorzubereiten. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf interne Behördendokumente.
Vietnam bezieht nach Angaben der Luftfahrtbehörde mehr als zwei Drittel seines Kerosinbedarfs aus dem Ausland – 60 Prozent davon aus China und Thailand. In einem Schreiben vom 9. März an das zuständige Verkehrsministerium warnte die Behörde vor „Risiken eines Kerosinmangels für vietnamesische Fluggesellschaften ab Anfang April und in den Folgemonaten“. Flughafenbetreiber wurden aufgefordert, zusätzliche Abstellflächen bereitzustellen, falls Fluggesellschaften ihren Betrieb einschränken müssen.
Die beiden wichtigsten Importeure Petrolimex und Skypec erklärten laut Reuters in separaten Dokumenten, die Kerosinversorgung nur noch für März garantieren zu können. Skypec empfahl der Aufsichtsbehörde, den Flugverkehr bei anhaltendem Konflikt auf wesentliche Inlandsrouten zu beschränken. Die Regionalfluggesellschaft Sun PhuQuoc Airways kündigte bereits Anpassungen ihres Flugplans für die kommenden ein bis drei Monate an.
China und Thailand: Vollständiges Exportverbot für Treibstoffe
China hatte seine Raffinerien Anfang März zunächst aufgefordert, keine neuen Exportverträge abzuschließen, bevor am 11. März ein vollständiges Exportverbot für raffinierte Treibstoffe in Kraft trat. Thailand hatte bereits am 6. März Heizölexporte an alle Länder außer Myanmar und Laos untersagt. Auch aus Singapur gingen die Lieferungen zurück.
Diplomatisch bemüht sich Vietnam auf höchster Ebene um Abhilfe. Außenminister Le Hoai Trung bat seinen chinesischen Amtskollegen Wang Yi laut Reuters am Sonntag bei einem Treffen in Hanoi um enge Zusammenarbeit zur „Sicherung der Energieversorgung“. In der chinesischen Darstellung des Treffens wurde das Thema allerdings nicht erwähnt. Premierminister Pham Minh Chinh wandte sich zudem laut dem Reuters-Bericht am Freitag an den thailändischen Botschafter mit der Bitte um Unterstützung.
Die vietnamesische Luftfahrtbehörde räumte ein, dass es „im aktuellen Umfeld schwierig ist, neue Lieferanten zu finden“. Vietnams zwei Raffinerien stünden unter Druck, andere Ölprodukte herzustellen, und könnten die Kerosinproduktion kaum steigern.
Hintergrund ist eine Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Seit Beginn des Iran-Krieges Ende Februar ist die Meerenge, durch die rund ein Fünftel des weltweiten Öl- und Flüssiggastransports verläuft, durch das iranische Militär de facto gesperrt. Die Straße von Hormus zwischen der Arabischen Halbinsel und dem Iran wird von den iranischen Revolutionsgarden kontrolliert. Zudem beschoss der Iran Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. Diese Entwicklungen ließen die Öl- und Gaspreise in die Höhe schnellen.


