Als der Bundestag mitten in den Verhandlungen zum Ukraine-Krieg plötzlich offline ging, äußerten einige Medien Mutmaßungen über einen politischen Hintergrund – doch dahinter steckt ein hausgemachtes Problem: überlastete Rechenzentren, schwache IT-Netze. Im Interview mit der Berliner Zeitung erklärt IT-Experte Dirk Knop vom Heise-Verlag in Hannover, warum kein Hacker nötig ist, um den politischen Betrieb stundenlang lahmzulegen.
Am gestrigen Montag ist im Bundestag in Berlin die gesamte IT zusammengebrochen: keine Internetverbindung, kein Intranet, keine Drucker. Was wissen wir über den Zwischenfall?
Das stimmt, am Montagnachmittag sind ab etwa 14.30 Uhr zentrale Büro-IT des Bundestags weitgehend ausgefallen: Internet, Intranet, E-Mail, Fileserver und Drucker standen stundenlang still, erst am frühen Abend lief das Netz schrittweise wieder an.
Laut Bundestagsverwaltung war eine Überlastungssituation zwischen den beiden Rechenzentren der Auslöser.
Also kein Zusammenhang mit dem Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Berlin?
Bundestag und BSI sehen derzeit keine Hinweise auf einen Cyberangriff, die Detailanalyse läuft.
Wie kann es zu einer solchen Überlastung kommen?
Überlastung heißt: Die Verbindungen oder zentralen Netzkomponenten zwischen den Rechenzentren werden mit mehr Verkehr oder mehr Verbindungen konfrontiert, als sie verarbeiten können – etwa durch Fehlkonfiguration, missglückte Routing- oder Redundanz-Änderungen oder schlichte Kapazitätsengpässe in Firewalls, Routern oder Verzeichnisdiensten. Wenn solche Engpässe an der Nahtstelle der Infrastrukturen sitzen, kann das komplette Büro-Netz kurzzeitig in die Knie gehen, ohne dass ein externer Angreifer im Spiel ist.
