Der Iran prüft offenbar die Einführung von Durchfahrtsgebühren für Schiffe, die die Straße von Hormus passieren. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf einen iranischen Parlamentsabgeordneten. Der Vorstoß zielt darauf ab, Teherans Kontrolle über die strategisch zentrale Wasserstraße wirtschaftlich zu nutzen, durch die rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases transportiert wird.
Laut der iranischen Studenten-Nachrichtenagentur ISNA prüfe das Parlament einen Gesetzentwurf, wonach Staaten, die die Meerenge für Schifffahrt, Energietransport und Lebensmittellieferungen nutzen, Zölle und Abgaben an den Iran entrichten müssten.
Mohammad Mokhber, ein Berater des iranischen Obersten Führers, ging noch weiter: Nach einem Ende des Krieges werde es ein „neues Regime für die Straße von Hormus“ geben, sagte er laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr am Donnerstag. Damit könne Teheran maritime Beschränkungen gegen jene Staaten verhängen, die Sanktionen gegen den Iran erlassen haben. „Indem wir die strategische Position der Straße von Hormus nutzen, können wir den Westen sanktionieren und seine Schiffe an der Durchfahrt hindern“, so Mokhber.
Seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen den Iran hat Teheran den Schiffsverkehr durch die Meerenge für Schiffe, die nach iranischer Darstellung mit den Kriegsgegnern und deren Verbündeten in Verbindung stehen, bereits massiv gestört.
15 Schiffe passierten Meerenge in drei Tagen
Wie stark der Verkehr bereits eingebrochen ist, zeigen aktuelle Daten der Tracking-Plattform MarineTraffic. Demnach passierten zuletzt innerhalb von drei Tagen nur 15 Schiffe die Meerenge – darunter acht Massengutfrachter, fünf Tanker und zwei Flüssiggas-Tanker. Rund 87 Prozent der Fahrten entfielen auf auslaufende Schiffe, nur 13 Prozent fuhren in den Persischen Golf hinein. Mehrere Schiffe wichen laut MarineTraffic auf ungewöhnliche Routen aus und fuhren teilweise durch iranische Hoheitsgewässer.
US-Präsident Donald Trump schlug vor, den Handel durch militärische Eskorten zu sichern. Doch US-Energieminister Chris Wright räumte ein, die US-Marine sei derzeit nicht in der Lage, Öltanker durch die Meerenge zu geleiten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron lehnte eine Beteiligung an einer Militäroperation zur Öffnung der Passage ab. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz stellte klar: „Wir beteiligen uns nicht an diesem Krieg.“
Militärexperten halten Konvoi-Eskorten für äußerst riskant. Die Meerenge ist an ihrer engsten Stelle nur 25 bis 40 Kilometer breit. Als Bedrohungen gelten Raketen, Drohnen und Seeminen. Der Schiffsmakler SSY erklärte laut dem Branchendienst Argus Media, das Gebiet „bevorzuge den Angreifer“.


